Willkommen in Brasilien

041 Die Huegelig Landschaft Brasiliens. 1050284

 

011 Geburtstagsgeschenk IMG 20170315 WA0050Wir lassen Paraguay hinter uns und reisen ein letztes Mal nach Argentinien ein, um von dort nach Uruguay zu gelangen. Die Sonne strahlt, die Temperatur ist angenehm, und ich freue mich heute zum ersten Mal im Sommer Geburtstag zu haben. Beschwingt fahren wir Kilometer um Kilometer. Gegen Nachmittag wird es dann kurz vorm Ziel langsam anstrengend, da wir nun schon sieben Stunden im Sattel sitzen. Wir erreichen die Grenze zu Uruguay. Ein großes Tankstellenähnliches Portal in schlichter Blockbauweise empfängt uns. Linker Hand ein flacher Bürokomplex. Den richtigen Schalter gefunden und unsere Papieren dem Migrationsamt überreichend, bekommen wir nach kurzer Zeit auf einen fragenden Blick nur ein "Não" - "Nein" zur Antwort. Warum, wollen wir wissen. Falsche Papiere! Nach kurzer und heftiger Diskussion stellt sich schließlich heraus, dass man in Uruguay mit chilenischen Bikes nur einreisen darf, wenn man auch den dazugehörigen chilenischen Pass hat. Wir haben natürlich nur temporäre Aufenthaltspapiere für Chile, was an mittlerweile elf Grenzübergängen auch ausgereicht hat. Es lässt sich hier jedoch offensichtlich nicht diskutieren. Wir werden kurzerhand rausgedrängt. Auf welche alberne Regeln man doch trifft. Es lässt sich nichts dran rütteln, wir müssen hier tatsächlich das erste Mal auf dieser Reise umkehren. Josh wäre am liebsten illegal mit ordentlich Anlauf über die Grenze geheizt. Es ist aber wohl zu spät für Spielereien mit der Polizei und so bleibt als Trost nur der heutige Rekord. 500 Kilometer habe ich mir heute zum Geburtstag geschenkt. So viel wie nie zuvor in meiner kurzen Motorradkarriere. Müde und enttäuscht steige ich auf mein Bike, bin ich doch leider heute völlig umsonst gefahren. Das ganze Stück müssen wir nun wieder zurück, um unser Glück an der Grenze zu Brasilien zu versuchen. Wenn man uns in Uruguay nicht will, dann eben nicht.

Schon wieder völlig erschöpft erreichen wir am Spätnachmittag des Folgetages den Grenzübergang "Paso Los Libres", die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien. Mit etwas bangem Gefühl nach dem gestrigen Rückschlag stehen wir abermals mit unseren Pässen am Schalter der Migration, diesmal mit dem Druck in das Land einreisen zu müssen. Um Brasilien führt kein Weg herum. Ein kurzes Gespräch mit dem netten Beamten, ein bisschen Schreibkram und schon hören wir das Klack-Klack des Stempel. Drei Monate Aufenthaltsgenehmigung, bei Bedarf verlängerbar!!! Das wars. Kein Zoll, keine Kontrollen, keine dämlichen Regularien. Damit haben wir nun absolut nicht gerechnet, ist Brasilien doch häufig bekannt für seine schwierige Polizei und seine Korruption. Die Realität sieht mal wieder anders aus. Erleichtert verbringen wir unsere erste Nacht in Urugaiana an einer Tankstelle. Auch hier sind wir von netten offenen Menschen umgeben und fühlen uns willkommen. Sofern man das bei dem Kauderwelsch, welches hier gesprochen wird, erahnen kann. Das Ärgerliche an diesem Land: Wir verstehen nichts mehr. Hier wird portugiesisch gesprochen. Mit einem Mix aus Spanisch und Englisch können wir uns aber trotzdem ganz gut verständigen. Wir versuchen unser Bestes.

032 Links alt, mitte alter Rahmen und rechts der Neue, welcher in den alten Rahmen passt1050270033 Was nicht passt, wird passend gemacht. 1050259Am folgenden Morgen fahren wir zur nächsten Honda Werkstatt. Die Bikes brauchen dringend einen neuen Luftfilter, der alte hat nach 18000 km seine besten Zeiten längst hinter sich. Der freundliche Herr vom Teileservice in der Werkstatt ist gleich sehr interessiert, als er die bepackten Bikes sieht und erkundigt sich nach unserer Reise. Den passenden Luftfilter gibt es nicht, da es dieses Bike in Brasilien nicht gibt. Jedoch holt er den Luftfilter eines ähnlichen Modells. Josh betrachtet sich das kurz und in seinem Kopf beginnt es zu arbeiten. Er fährt das Motorrad zur hauseigenen Express-Service-Station, die in jedem Hondashop Brasiliens kostenlos zur Verfügung steht, und baut den alten Luftfilter aus. Er sieht wirklich schlimm aus! Der Staub aus der Atacama Wüste und der Schlamm des Chacos haben ihm sehr zugesetzt. Der neue Luftfilter passt nicht hundertprozentig, aber Josh schnippelt, klebt und passt ihn perfekt in das Gehäuse des alten ein. Mehr dazu findet ihr unter Motorradinfos. --> link Das gleiche Spiel beim zweiten Bike und so sind ruck zuck innerhalb eines Morgens beide Luftfilter gewechselt. Da staunt das Team von Honda nicht schlecht.

042 Schotterstrasse durch die Huegel Brasiliens1050289Durch die satt grüne Landschaft fahren wir der Küste entgegen und freuen uns schon auf die erste Nacht am Strand. Plötzlich holt uns der Regen ein. Der März ist der regenreichste Monat in Brasilien und der Vorbote des Herbstes. Die Hitze jedoch verschwindet nicht mit dem Regen und so schwitzen wir ganz ordentlich in unseren Regenkombis. Auch die erste Strandnacht fällt leider wortwörtlich ins Wasser. Josh drängt trotz des Wetters und mangels sinnvoller Alternativen zum Weiterfahren. Wir müssen nach Rio de Janeiro. Die Zeit sitzt uns im Nacken, denn Nino, Joshuas Bruder, wird uns dort bald besuchen kommen. Natürlich wollen wir pünktlich sein und ihn dort gut empfangen. Wir nehmen also den zügigsten Weg. Die Schnellstraße ist nicht die gemütlichste und der Verkehr ist nicht ungefährlich. Lkws fahren grundsätzlich 100 Stundenkilometer und Autofahrer schneiden uns, was das Zeug hält. Brasilien ist das Land der Heizer, alles scheint hier schneller zu fahren als in den bisher bereisten Ländern. Wir meistern die Etappe aber ohne Zwischenfälle und kommen zügig voran.

053 Panoramablick auf die ersten brasilianischen Straende1050300

052 Unsere erste Nacht am Strand (bevor unser Zelt zerstoert wurde) 1050305051 Erster blick auf Brasiliens Straende1050305Eines Morgens, eine Tagesfahrt vor Rio weckt uns nach all dem Regen die Sonne und die Wellen des Atlantiks und entschädigen uns für alle Strapazen der letzten Tage und Wochen. Seid wir in Filadelfia, Paraguay losgefahren sind, stand die Fahrt unter keinem guten Stern mit dem Unfall, den technischen Problemen und dem Scheißwetter. Wir haben uns des öfteren mal gestritten und der Zeitdruck, Rio erreichen zu müssen, hat die Stimmung zusätzlich aufgeheizt. Nun nehmen  wir das erste Bad im Meer, seit wir den Pazifik in Chile verlassen haben, und trinken den ersten Kaffee am Strand. Nach und nach kommen ein paar Surfer, um die besten Wellen zu erwischen. Es scheint ein perfekter Morgen zu werden. Als wir zum Zelt zurückkehren, treffen wir auf einen schimpfenden aggressiven, jungen 054 Unser erster Blick auf Brasiliens Straende 1050298Mann, der uns böse anbrüllt. Da er aber in schnellem Portugisisch auf uns einbrabbelt, verstehen wir kein Wort. Ein englischsprachiger Surfer erklärt uns, dass wir doch die Bikes lieber auf den angrenzenden Parkplatz stellen sollen, weil die Einheimischen es nicht gerne sehen, wenn man dem Strand zu nahe kommt. Kein Problem für uns, wir parken sie um und gehen wieder in die Wellen. Nach dem zweiten Bad müssen wir mit Entsetzen feststellen, dass unser Zelt schwer beschädigt ist. Der verärgerte Surfer spielte sich, wie sich herausstellt, zu unrecht als Strandaufsicht auf. Er war unerklärlicherweise höchst pikiert darüber, dass unser Zelt auf "seinem" Strand stand. In seiner fremdenfeindlichen Einfältigkeit hat er seiner Wut freien Lauf gelassen. Die Stangen des Zeltes sind krumm und die Abspannschnüre abgerissen. Wir hätten den jungen Mann gerne ebenfalls schwer beschädigt, doch der Kerl ist nirgends mehr zu sehen. Alle anderen um uns herum entschuldigen sich tausend Mal für ihn. Hätte er sich einfach ruhig ausgedrückt, hätte es dazu nicht kommen müssen. Verärgert packen wir unsere Sachen und fahren weiter gen Norden. Mit den Stränden haben wir bisher irgendwie kein Glück. Unsere Laune bessert sich jedoch schnell, als wir bei bestem Wetter die kurvenreiche Küstenstraße nach Paraty nehmen, ein historisches kleines Städtchen direkt am Meer, welches uns auf dem Weg hierher mehrfach sehr empfohlen wurde.

055 Sonnenaufgang am Strand 1050307

Es wurde uns nicht zu viel versprochen. Der erste Eindruck spricht auf Anhieb für das kleine Städtchen, das mit seinen weißen Häusern und gepflasterten Straßen direkt am Meer einen ganz besonderen Charme ausstrahlt. Direkt im Dschungel gelegen, ist es bewachsen mit vielen Bäumen und Palmen, in denen kleine Äffchen munter hin und her hüpfen. Berge mit über 1000 Metern Höhe umsäumen die Stadt. So liegt sie mit dem Meer auf der einen Seite und dem Gebirge auf der anderen im ruhigen Tal da. Im Hafen liegen schnuckelige kleine Boote in allen Farben. Weiße Strände und Wasserfälle laden zum Baden und Entspannen ein und etwas südlich der Stadt ruft das Surfer Paradies Trinidat.
062 Campingplatz Do Rancho in Paraty 1050310061 Gemuetliches Beisammensitzen am Feuer am Campingplatz in Paraty 1050318Hier wollen wir uns nun unsere wohlverdiente Pause gönnen, die nach Hitze, Unfall, Zeitdruck und viel Verkehr längst überfällig ist. Durch die vielen gefahrenen Kilometer der letzten Wochen haben wir ein kleines Zeitfenster bis wir in Rio sein müssen. Der Hunger zieht uns in eines der kleinen Lokale in den engen Gassen der Altstadt. Nach einem hervorragenden Mittagessen kommen wir mit dem englisch sprechenden Chef ins Gespräch. Unsere Reise findet er sehr spannend. Er empfiehlt uns einen Campingplatz nicht weit vom Lokal. Dort angekommen, wirkt der Platz sympathisch. Viele junge Leute campen hier, einige machen Urlaub, andere machen ein "Work-Away". 063 Der CampingplatzkaterIMG 20170315 WA0043Sie arbeiten für ein paar Stunden auf dem Campingplatz mit und können dafür umsonst so lange bleiben, wie sie möchten. So tummeln sich verschiedene Altersgruppen und Nationen auf diesem Fleckchen. Das sagt uns natürlich auf Anhieb zu und wir schlagen unser Lager auf. Guter Tipp vom Chef des Restaurants, welches in diesen Tagen zu unserem Stammlokal wird. Der Chef freut sich jedes Mal wenn er uns sieht, denn jedes Mal kann er eine neue Geschichte von unserer Tour erfahren.

 

074 Eine Motorradausfahrt zu einem der umliegenden Berge Paratys DSC05982072 Blick von einem der umliegenden Berge in Paraty DSC05983Wir gönnen uns außerdem viel Zeit an den wunderschönen weißen Stränden, schlendern durch die engen Gässchen und werfen ein Auge in die kleinen Läden, die sich hinter den weißen Fassaden der Häuser verstecken. Einige sind sehr auf Tourismus ausgerichtet, andere aber auch einfach nur nett ausgestattet mit handgearbeiteten 073 Baden in einem Fluss in Paraty DSC05995071 Blick von einem der umliegenden Berge in Paraty DSC05977Sachen aus Holz. Wir statten uns mit etwas Strandmode aus, die bei durchgängigen 35 Grad im Schatten durchaus angebracht ist.
An jeder Straßenecke findet man kleine Fitnessparks mit wirklich guten Geräten und mich packt wieder die Motivation zu trainieren. In den letzten Wochen war dazu entweder zu wenig Zeit oder ich hatte den Kopf voll mit anderen Dingen. Mit einer ausgewogenen Mischung aus Training und Entspannung bin ich nun wieder so entspannt wie schon lange nicht mehr.

075 Der Strand Paraty Mirim in der Naehe Paratys DSC05971076 Der Strand Paraty Mirim in der Naehe Paratys DSC05970Die Menschen, denen wir in Paraty begegnen, sind alle ebenso entspannt. Beim Stadtbummel kehrt ein ausgesendetes Lächeln immer zurück und wenn man Hilfe braucht, kann man sich auf die umstehenden Personen verlassen. Sie helfen gerne und ihre Freundlichkeit ist echt.
Besonders auf unserem Campingplatz ist es sehr ruhig und entspannt. Zusammen mit uns campen nur ungefähr zehn andere Leute dort, und nach zwei Tagen sind wir bereits wie eine Familie. Es wird zusammen gekocht, geredet und abends am Feuer Musik gemacht. Auch der Chef ist immer mit dabei und lässt es sich am Sonntag nicht nehmen, seinen Mitarbeitern einen freien Tag zu 081 Omar, unser Lederkuenstler IMG 20170323 WA0007082 Das Lederhaarband perfekt zum Motorradfahrengönnen und selbst die komplette Küche und die Bäder zu reinigen. Wir treffen Omar aus Mexiko. Seit zwei Jahren reist er quer durch Südamerika. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich mit Lederkunst. Arm- und Haarbänder macht er hauptsächlich, wobei sich speziell die Haarbänder verkaufen wie warme Semmeln. Auch ich bin begeistert von der Flechttechnik dieses Bandes und kaufe eins. Noch dazu eignet es sich hervorragend zum Motorrad fahren, endlich flattern die Haare nicht mehr wie wild im Wind. Omar näht außerdem für mein Fell auf dem Sitz zwei neue Taschen für die Befestigungsmagneten. Rotes Leder verwendet er, perfekt passend zum Bike. Er macht es gerne, sind wir während der Zeit doch Freunde geworden, und freut sich riesig über den kleinen Obolus, den ich ihm dafür gebe. Er ist nämlich unter anderem auch hier in Brasilien, um sich seine Zähne machen zu lassen. Das ist hier recht günstig. Trotzdem kann er natürlich jeden Cent gebrauchen.
In der Scheune des Campingplatzes kann Josh den Ölwechsel machen. Fabio, der Chef fährt selber Motorrad und guckt ihm mit Freude immer mal über die Schulter. Außerdem baut Josh für beide Bikes jeweils noch eine zusätzliche Werkzeugrolle. Er befestigt sie auf der linken Seite hinter der Satteltasche. Jetzt haben wir noch mehr Stauraum, den wir zum Beispiel für die Luftpumpe oder eine Wasserflasche gut gebrauchen können.

 

091 Unser Freund Moses 1050313Die Schraub- und Bauaktion weckt bei noch einem weiteren Camp-Bewohner großes Interesse: Moses. Die Begegnung mit uns soll ihn noch lange prägen.
Moses ist 23 Jahre alt und kommt aus Israel. Er ist dort in einer sehr religiösen orthodoxen Familie mit 15 Geschwistern aufgewachsen. Seine Muttersprache ist Jiddisch. Eine richtige Schule hat er nie besucht, nur die jüdische Schule, in der hauptsächlich Religion gelehrt wird. Je älter er wurde, desto weniger kam er aber mit all dem klar. Mit 14 ist er daher von zu Hause weg gelaufen und hat bis heute keinen Kontakt mehr dorthin. Er lebte auf der Straße. Mit 17 ist er in die USA gegangen und hat sich mit dem Verkaufen von Kleinigkeiten über Wasser gehalten. In dieser Zeit hat er jegliche Art von Drogen ausprobiert. Als er schließlich 18 wurde, ist ihm klar geworden, dass es so nicht weiter gehen kann. Bisher hatte er in seinem Leben noch nicht viel gelernt und auch noch nicht viel durchgezogen. Er entscheidet daher, zurück nach Israel zu gehen und seinen Wehrdienst zu verrichten. Er müsste dies nicht, da er als orthodox registriert ist. Dennoch entscheidet er sich dazu. Hier kann er neben dem Kriegsdienst auch Englisch lernen und viele mechanische Fähigkeiten erwerben. Er glaubt, dass ihn das in seinem Leben weiter bringen wird. Nach drei Monaten Dienst ist er jedoch fertig mit den Nerven, so hart ist es. Er hadert mit sich, entscheidet aber schließlich, die drei Jahre durchzuziehen, um sich selbst zu zeigen, dass er etwas schaffen kann und auch, um die Strukturen des Landes und der Armee besser zu verstehen. Dies beinhaltet im dritten Ausbildungsjahr ein Jahr Kriegsdienst an der Front in Gaza. Es geht dort milde gesagt etwas härter zu als an vergleichbaren Auslandseinsätzen unserer Bundeswehr. Er hat noch dazu das Pech zu der Zeit der letzten großen Gaza-Intervention Israels zu dienen. Nicht bloß die übliche Verteidigung sondern wochenlanges Vordringen in „feindliches“ Gebiet prägen ihn. Nach eigenen Angaben musste er nach Warnschüssen und Rufen abdrücken. Er hat Menschen gewaltsam sterben sehen und muss damit nun versuchen zu leben. Nach drei Jahren kann er letztendlich den Dienst beenden und in ein normales Leben zurückkehren. Dies ist aber aufgrund eines Posttraumas schwer umzusetzen. Er kommt nicht so richtig auf die gerade Bahn und muss schließlich ein halbes Jahr im Gefängnis sitzen, was in Israel gewiss kein Zuckerschlecken ist.
All diese Erlebnisse haben ihn nie gebrochen und er fasst seinen Mut zusammen, packt seine Sachen und verlässt seine Familie und sein Heimatland für immer.
Nun ist er auf der Reise. Ein richtiges Ziel hat er nicht. Er will die ganze Welt bereisen und sich schließlich an einem friedlichen Ort ein neues Leben aufbauen.
 

Die Idee, dies wie wir mit dem Motorrad zu machen, überkommt ihn als er sich ein paar unserer Geschichten anhört. Die Freiheit die ihm auf dem Motorrad zuteil wird, wenn wir ihn mitnehmen auf unsere Tagesausflüge scheint auch auf seine Gedanken befreiend zu wirken. Er wird ruhiger und redet nicht mehr so viel von Vergangenem. Momentan ist er doch sehr auf Bus- oder Flugverbindungen angewiesen und kann seine Zeit nicht so richtig genießen. Er ist immer auf Uhren, Kalender, Pläne angewiesen, obwohl ihm dies sehr wiederstrebt. Je länger er beim Schrauben zuschaut, desto realer wird seine Idee. Moses will ein Bike! Stundenlang sitzen wir zusammen und können ihm wertvolle Tipps in Bezug auf das Reisen mit dem Motorrad geben. Er ist hin und weg und es fällt ihm in diesen Tagen schwer, überhaupt noch von etwas anderem zu reden. Alles was in der kurzen Zeit zu vermitteln ist, geben wir ihm mit. Unser Kontakt für jegliche Fragen und natürlich eine Einladung in unsere Heimat bekommt er zum unvermeidbaren Abschied. Es fällt schwer doch wer weiß, vielleicht kommt er mal ins schöne Haunetal, hoffentlich mit dem Motorrad.

113 Unsere Gastgeber in Niteroi die Familie Novellini IMG 20170323 WA0006112 Blick auf Rio de Janeiro IMG 20170323 WA0011Drei Tage wollten wir in Paraty bleiben, anderthalb Wochen sind daraus geworden, es hat uns wirklich sehr gefallen. Wir könnten noch länger bleiben, doch bald landet Nino in Rio de Janeiro und genau da fahren wir nun hin. Niteroí, um genau zu sein, eine Vorstadt von Rio. Dort wohnt die Familie Novellini. Vater Alexandre und Sohn João haben wir vor ein paar Monaten in San Pedro de Atacama in Chile kennengelernt. In einem überfüllten Restaurant wurden wir durch Zufall an denselben Tisch gesetzt. Wir haben uns in der kurzen Zeit sehr gut unterhalten und die zwei Hausherren haben uns direkt ihre Hilfe angeboten, wenn wir denn mal nach Rio kommen würden. Die haben wir gerne angenommen und sie eine Woche vorher kontaktiert. Auf unsere Nachricht hin sind wir herzlich willkommen und dürfen sogar unser Zelt bei ihnen im Garten aufschlagen. Am Nachmittag nach anstrengender Fahrt durch den Rio Stadtverkehr kommen wir an. Freudig macht Alexandre uns die Tür auf und wir lernen nun auch den Rest der Familie kennen: Mutter Adriana und Tochter Bea. Alle sind extrem nett und wir fühlen uns vom ersten Moment an in die Familie integriert. Aus dem Platz im Garten wird kurzerhand das Gästezimmer. Es wird für uns gekocht und wir sitzen abends noch lange bei guten Gesprächen zusammen, als würden wir uns schon ewig kennen. Auf die Frage, ob wir denn so lange bleiben dürften, bis Nino kommt, bekommen wir sofort ein klares Ja zur Antwort. In freudiger Erwartung verbringen wir die letzten Tage bis zu seiner Ankunft in sehr angenehmer Gesellschaft. Über diesen Empfang wird er sich sicher freuen!

111Blick auf Rio de Janeiro IMG 20170323 WA0010