Vom Amazonas in die Anden

 003 Mond ueber Porto Velho

001 Erster Schlafplatz auf BR319 nachdem der Asphalt wieder begonnen hat002 Fast geschafft Porto Velho ist in SichtVöllig fertig, aber dennoch in größter Hochstimmung und beflügelt davon, dass wir die BR 319 tatsächlich bezwungen haben, fahren wir dem Städtchen Porto Velho entgegen. Alles an den Motorrädern quietscht und klappert und bestimmt zehn Kilo schwerer vom Matsch, der an ihnen klebt, sind sie auch. In Porto Velho angekommen, kriegen sie als allererstes eine wohlverdiente Wäsche. Wir können es kaum glauben, als wir wieder unsere weiß roten Bikes vor uns stehen haben. Den Anblick hatten wir fast 004 Schrauberarbeiten in Porto Velho004 Schrauberarbeiten in Porto Velho4schon vergessen. Wir gönnen uns nach den Strapazen ein günstiges Hotel mit großer Garage, perfekt für die Motorräder. Josh wird einiges an ihnen reparieren müssen. Der Schlamm hat sich überall reingefressen und vieles zerstört. So brauchen wir schon wieder zwei neue Kettensätze (die alten haben gerade mal 800 km gehalten!), eine neue Werkzeugrolle, die Bremsscheiben müssen neu eingeschliffen und noch 005 Fruehstuecksbuffet im Hotel Tropical in Porto Velho1005 Fruehstuecksbuffet im Hotel Tropical in Porto Velho2weitere Kleinigkeiten überholt werden. Vier Tage ist Josh damit beschäftigt. Es werden aber auch Tage der Erholung nach dem Kampf mit dem Schlamm. Wir gönnen uns leckeres Essen im Grillrestaurant gegenüber, schlendern durch die Stadt und betrachten wunderschöne Sonnenuntergänge am Fluss. Auch neue Freunde finden wir: Arthur, der Rezeptionist des Hotels Tropical, interessiert sich brennend für 005 Fruehstuecksbuffet im Hotel Tropical in Porto Velho3006 Unser Freund Arthur aus Porto Velhounsere Reise. Auch er ist schon viel gereist und hat unter anderem zwei Jahre in der Slowakei studiert. Gleich am ersten Abend nimmt er uns mit in die Stadt und zeigt uns hier ein Restaurant und dort eine Bar. Während unseres Aufenthaltes in Porto Velho treffen wir uns immer wieder mit ihm und seiner Freundin Jussara und verbringen schöne Tage und Abende miteinander. Schließlich laden die beiden uns ein, doch die letzte Nacht bei ihnen zu verbringen. Dem Angebot gehen wir natürlich gerne nach und ziehen in die kleine Wohnung der beiden. Es ist immer wieder schön, wie nett und hilfsbereit die Leute um uns rum sind. Nach einem gemütlichen Abend heißt es dann aber Abschied nehmen. Arthur ist traurig über unsere Abreise, verspricht aber, dass er uns auf jeden Fall einmal mit Jussara in Deutschland besuchen will.

007 Auf dem Weg nach Bolivien2007 Auf dem Weg nach Bolivien1007 Auf dem Weg nach Bolivien3Nach einer Woche Pause hat uns der Reisedrang wieder eingeholt. Die Bikes sind topfit und voll motiviert fahren wir einem neuen Land, Bolivien, entgegen. Brasilien hat uns sehr gut gefallen. Wir haben in den vier Monaten, die wir hier verbracht haben, viele neue Freunde gefunden und viele neue Erfahrungen gemacht. Aber wir freuen uns jetzt auch genauso darauf, ein neues Land erforschen zu können.

008 Letzter Tag in Brasilien schon mit Aussicht auf Bolivien3
007 Auf dem Weg nach Bolivien4008 Letzter Tag in Brasilien schon mit Aussicht auf Bolivien1Die 350 Kilometer bis zur Grenze laufen wie am Schnürchen, die Straße ist asphaltiert und in anderthalb Tagen sind wir am Rio Madeira, der Brasilien und Bolivien voneinander trennt. Den Ausreisestempel im Pass warten wir auf unsere Fähre. Nach einer Stunde des Wartens wundern wir uns dann aber so langsam, wo diese denn bleibt. Als sie schließlich kommt, nur einen Lkw ablädt und dann ohne ein einziges Fahrzeug 008 Letzter Tag in Brasilien schon mit Aussicht auf Bolivien4008 Letzter Tag in Brasilien schon mit Aussicht auf Bolivien5009 Da drueben ist Bolivienmitzunehmen wieder fährt, schauen wir nicht schlecht. Die anderen Passagiere, die die Fähre ebenfalls nehmen wollen, erklären uns, dass es mit dieser Flussüberquerung nicht so einfach ist. Da sich Brasilien und Bolivien nicht gut verstehen, hat jedes Land seine eigene Fähre. Die bolivianische wird vom Militär unterhalten, wohingegen die brasilianische privat ist. Dementsprechend viel kostet sie auch. 010 Letzter brasilianischer Sonnenuntergang008 Letzter Tag in Brasilien schon mit Aussicht auf Bolivien2Für 800 Meter Überfahrt müssen wir 15 Euro pro Nase zahlen, als sie nach zwei Stunden Wartezeit endlich kommt. Glücklich darüber, dass es nun weitergeht, schippern wir Bolivien entgegen. Schnell wird unsere Freude aber gedämpft. Auf der bolivianischen Seite haben Lkws die Auffahrtrampe so blockiert, dass die Fähre nur an der Stelle anlegen kann, an der Lkws auf sie drauf fahren können. Dort steht 011 Letzter Schlafplatz in Brasiliendrohend ein Lkw in Fahrtrichtung. Die Lkw-Fahrer demonstrieren so gegen die hohen Preise der brasilianischen Fähre. Würde die Fähre anlegen, würden die Lkws einfach drauf fahren und nicht zahlen. Bestimmt eine Stunde liegen wir deshalb mitten am Fluss in der prallen Sonne und wissen nicht, wie es weiter geht. Schließlich vermittelt ein Botschafter zwischen den Lkw Fahrern und der Fähre, indem er mit einem 012 Die bolivianische Faehre in Guajara Mirimkleinen Fischerboot immer hin und her fährt. Wir denken schon, wir müssen uns einen anderen Grenzübergang suchen, als die zwei Parteien scheinbar eine Lösung gefunden haben und die Fähre anlegt. Ganz nach dem Motto nichts wie weg fahren wir schnellsten 015 Die Lkws blockieren die Auffahrtramperunter. Was eine tolle Begrüßung! Einreise und Zoll laufen dann aber relativ reibungslos ab und nach einem vollen Tag an der Grenze sind wir endlich drin. Bolivien, wir kommen.

 

 

 

 

016 Ein Botschafter muss verhandeln017 Papageien begruessen uns in BolivienEin bisschen Gedanken machen wir uns um die ersten 600 Kilometer der Straße. Von mehreren Seiten wurde uns berichtet, diese solle nicht so gut sein. Entgegen aller Erwartungen treffen wir aber auf eine einwandfreie Erdpiste ohne große Löcher und kommen super voran. Für uns ist nach der BR 319 wahrscheinlich einfach nichts mehr so wirklich schwer. Auch von einem Monsun, vor dem wir von einem Freund 018 Erstes Bad in Bolivien1aus Santiago gewarnt wurden, ist weit und breit nichts zu sehen. Unsere erste Nacht in Bolivien verbringen wir an einem abgelegen See, haben einen wundervollen Sonnenuntergang und sehen jede Menge Tiere und exotische Vögel. Das haben wir uns verdient nach den vielen Kilometern. Wir haben über zwei Drittel der Strecke schon geschafft und rechnen damit am nächsten Mittag im kleinen Dorf Rurrenabaque am Fuße der Anden zu sein. Beide freuen wir uns riesig darauf, wieder in die Berge zu fahren! Nach dem Aufstehen dann aber der 018 Erstes Bad in Bolivien2

019 Erster Sonnenuntergang in Bolivien020 Die Dreckpiste in Bolivien ist besser als erwartet021 Verdienter Schlafplatz nach 400 km OffroadDämpfer. Joshuas Bike hat einen Platten. Natürlich, wie sollte es anders sein, hinten. Da wo das Wechseln des Rades am schwierigsten ist. Josh versucht es aber erst einmal mit Aufpumpen. Das funktioniert auch anfangs ganz gut. Nach 50 Kilometern ist der Reifen dann aber plötzlich total platt. Wir können gerade noch in ein ganz kleines Eckchen Schatten rollen, das aber auch bald weg ist. 022 Wasserschweine im Amazonas Boliviens023 Krokodile im Amazonas BoliviensRadwechseln in praller Sonne macht Spaß! Aus unserer Zeltaußenhülle baue ich Josh ein kleines Schattendach, unter dem er den Reifen genauer unter die Lupe nimmt. Drei Löcher flicken wir, dann geht es weiter. Nach weiteren 40 Kilometern ist der Reifen erneut platt. Wir haben bereits Nachmittag. Rurrenabaque liegt nur noch 60 Kilometer entfernt, aber der Reifen macht uns einen Strich durch die 024 Platter Reifen wird am Wegesrand geflickt025 Unser Aufbockklotz bei der ReifenpanneRechnung. Diesmal finden wir aber Schatten. Das macht das Arbeiten leichter und genauer. Nach erneutem Abziehen findet Josh den Übeltäter. Ein Nagel hat sich in den Mantel gebohrt und den Schlauch zerlöchert. Des Nagels letztes Stündchen hat geschlagen, er wird mit einem dicken Stein zertümmert, begleitet von einem kleinen Wutanfall von Josh und einem etwas größeren Lachanfall von mir. Gut, 025 Unser Aufbockklotz bei der Reifenpanne1026 Patagonische Winde in Rurrenabaque Es ist kaltdass Josh aus Deutschland viele Flicken mitgenommen hat. Acht Flicken kleben schlussendlich am Schlauch. Am Spätnachmittag ist alles repariert und wir können starten. Der Reifen hält die Luft und mit Vollgas geht es Richtung Rurrenabaque. Wir schaffen es dennoch nicht vorm Dunkelwerden. Einen Schlafplatz am Straßenrand zu finden ist unmöglich und auch viel zu staubig bei dieser Sandpiste. Die Straße wird schlechter und die letzten 40 Kilometer im Dunkeln mit großen Steinen werden zur Herausforderung. Schließlich erreichen wir das kleine Örtchen aber doch noch. Müde aber froh angekommen zu sein, fahren wir den Campingplatz des Ortes auf einem der Berge an. Weit und breit ist keiner zu sehen, so klopfen wir bei den Nachbarn. Ein netter junger Mann, Phillip, macht uns auf. Indische Musik und der Duft von Räucherstäbchen schlägt uns entgegen. Mit seinen langen Haaren, dem Haarband und dem bunten Guns'n'Roses T-Shirt sieht Phillip aus als sei er den 60er Jahren entsprungen. Auch Angela, seine Freundin, passt da perfekt hinein. Beide sprechen gutes Englisch und sagen wir sollen uns wie zu Hause fühlen, morgen früh würde der Besitzer kommen und wir könnten dann alles regeln. Erleichtert fallen wir in einen tiefen Schlaf.

027 Unser Hauschen in RurrenabagueAm nächsten Morgen wache ich verblüfft auf. Regentropfen klopfen auf die Zelthülle. Wenn man bei 25 Grad und Sternenhimmel ins Bett geht, rechnet man mit allem, aber nicht mit Regen. Der Himmel hängt voll mit dicken Wolken und den Anblick der nun beginnenden Anden kann man nur erahnen. Wir krabbeln gerade noch rechtzeitig aus dem Zelt und können uns unter eines der Dächer der zum Campingplatz gehörenden Cabanas (kleines Ferienhüttchen) stellen, als sich der Himmel öffnet. Es schüttet und schüttet, sowas haben wir seit der brasilianischen Regenzeit nicht mehr erlebt. Aus der Nachbarwohnung ruft Phillips Freundin Angela aus dem Fenster, wir sollten doch lieber in ihre Küche kommen. Eindeutig die bessere Entscheidung, denn zum Regen kommt nun auch noch Sturm und von Minute zu Minute wird es kälter. Ziemlich 028 Die Bootsfahrt zu Phillips und Angelas Heilzentrumverwundert über diesen plötzlichen Wetterumschwung sitzen wir etwas verloren in Phillips und Angelas Küche. Die beiden nehmen uns aber herzlich auf, Phillip macht uns einen wärmenden Tee und Pfannkuchen mit Marmelade und Honig. Die beiden erklären uns, dass es sich um ein Wetterphänomen handelt, welches immer um diese Jahreszeit auftritt. Patagonische Winde ziehen an den Anden entlang Richtung Norden und bringen so für ein paar Tage eine Eiseskälte. Wir könnten uns sehr glücklich schätzen, dass wir den Weg von der Grenze bis hierher schon hinter uns hätten, meinen sie. Bei Regen verwandelt er sich nämlich in eine Matschpiste. Da haben sie wohl Recht. Das ist also der Monsun, den unser Freund aus Santiago meinte. Pillip ruft den Besitzer, Pepe, an. Dieser ist dann auch innerhalb von zehn Minuten mit einem Offroad-Jeep da. Anders 028 Die Bootsfahrt zu Phillips und Angelas Heilzentrum1wäre er den Berg nicht hochgekommen, so glitschig sind die Steine durch den Regen. Er hat Mitleid mit uns und bietet uns einen annehmbaren Preis für eines der Cabanas. Dankend nehmen wir an, denn der Regen, der immer noch anhält, hätte uns vermutlich irgendwann weggespült. Eigentlich wollten wir in Rurrenabaque nur einen Tag Pause machen, aber durch das miese Wetter werden es schließlich fünf. Auch wenn der Zufall uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, ist er doch auf der anderen Seite auch für etwas gut. Wir haben auch hier viele neue Freunde gefunden. In einem Cafe treffen wir Patrick, einen Motorradfahrer aus Frankreich, und Fridtjof, einen deutschen Rucksackreisenden, der von Deutschland hier her mit Autos und Schiffen getrampt ist. Es ist schön mal wieder andere Reisende zu treffen und sich über 029 Phillips und Angelas HeilzentrumErfahrungen austauschen zu können. Tatsächlich haben wir in den ganzen vier Monaten in Brasilien nicht einen Reisenden getroffen. Mit Phillip und Angela, Pepe und seiner Frau und seiner Tochter und Patrick machen wir an einem Abend im Restaurant des Campingplatzes einen Grillabend. Josh grillt Fleisch und Fisch und dazu gibt es Kartoffeln, diverse Salate und verschiedenes Gemüse. Allen schmeckt es sehr gut und als Pepe schließlich aus irgendeiner Ecke einen 32 Jahre alten Rum holt, nimmt der Abend ein lustiges Ende. An einem anderen Tag nehmen uns Phillip und Angela mit in den Dschungel. Beide arbeiten in einem Heilzentrum mitten im Urwald, das man nur mit einem kleinen Fischerboot erreichen kann. Wir haben die Möglichkeit uns das Gelände anzuschauen. Es liegt sehr einsam und abgelegen an einem Fluss und besteht 031 Gemeinsamer Grillabend in Rurrenabaquenur aus einfachen Hütten. Hauptsächlich kommen Leute mit Burn-Out oder Depressionen hierher und Phillip und Angela behandeln sie dann mit allen möglichen Kräutern des Dschungels. Zusammen mit der Abgeschiedenheit haben sie die Zeit, sich selbst und ihre Lebenssituation zu überdenken und zu erkennen, was ihre Probleme sind. Phillip und Angela erzählen, dass sehr viele ihrer Patienten Europäer oder Nordamerikaner sind. Da sieht man doch mal, was unser schnelles, anonymes, auf Leistungsdruck basierendes westliches Leben mit vielen Menschen anstellt. Es ist traurig, dass man erst in den Dschungel eines anderen Kontinentes reisen muss, um dies zu erkennen.
Schließlich sind die patagonischen Winde vorüber und die Sonne strahlt wieder vom Himmel. Zeit für uns weiter zu fahren. Pepe geht nochmals mit dem Preis 032 Blick ueber Rurrenabaque033 Blick vom Campingplatz in Rurrenabaquerunter und lädt uns ganz herzlich ein, wieder zu kommen. Diesmal aber nicht als Kunden des Campingplatzes, sondern als Freunde. Auch Phillip und Angela würden sich freuen uns noch einmal bei sich begrüßen zu dürfen.

 

 

 

030 Sonnenuntergang in Rurrenabaque034 Blick aus den Anden auf den Amazonas035 Die Anden beginnenVoller Freude fahren wir nun den Anden entgegen. Seit der Amazonasgegend haben wir uns so sehr auf die Berge gefreut, dass wir es kaum erwarten können, endlich Bergluft zu schnuppern. Hier fühlen wir uns doch beide wohler! Von einem der Hügel kann man den krassen Unterschied sehen: Auf der einen Seite eine riesige grüne Fläche, alles Dschungel. Auf der anderen Seite fangen die Anden an, sich aus dem 038 StrassensperrungFlachen zu erheben. Ein einmaliger Anblick. Nach 100 Kilometern lassen wir den Amazonas endgültig hinter uns. Die Landschaft wird hügelig und die Straße zur Schotterpiste. Es ist lange her, dass wir Schotter gefahren sind und es macht richtig Spaß. Glücklich fahren wir hoch und runter, Linkskurven und Rechtskurven und genießen den ungewohnten Ausblick und die frische Luft. Ganz in Gedanken versunken stehen wir plötzlich vor einer Straßensperre. Von sieben Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags lassen sie hier wegen Straßenbauarbeiten keinen Verkehr durch. Wir gucken zuerst etwas sparsam, aber dann macht der Polizist die Schranke hoch. Motorräder dürfen durch fahren! Was ein Glück! Wir haben die Straße, die über einen 2500 Meter hohen Pass führt, komplett für uns allein. Gerade rechtzeitig finden wir einen Schlafplatz auf einem Hügel neben der Straße, als die Straßensperre aufgehoben wird. Die Bolivianer meinen scheinbar, ein Rennen fahren zu müssen und heitzen auf der Straße entlang, als wollten sie die nächste Ralley Dakar mitfahren. Gut, dass uns das ersparrt geblieben ist. Unser Abendessen teilen wir an diesem Abend mit einer bolivianischen Familie am Feuer. Eine Mutter mit ihrem Sohn hat sich gewundert, wer da neben ihrem Grundstück ein Zelt aufbaut und musste nach dem rechten schauen. Die beiden sind super nett und wir unterhalten uns gut. Gerade der Kleine genießt das für ihn unbekannte deutsche Abendessen. So manch einer hat uns vorher erzählt, die Bolivianer wären unfreundlich und zurück gezogen. Das können wir bis jetzt aber absolut nicht bestätigen. Sie mögen etwas schüchtern sein, aber wenn man freundlich auf sie zu geht, bekommt man zumindestens immer ein freundliches Lächeln zurück.

036 Die gefaehrliche Fahrt ueber das herabrieselnde Schutthaeufchen 1036 Die gefaehrliche Fahrt ueber das herabrieselnde Schutthaeufchen 2Unser Weg führt uns weiter an den Anden entlang. Die Straße ist besser als erwartet, denn zwischendrin sind immer mal wieder Teile asphaltiert. Scheinbar wollen sie die komplette Straße von Rurrenabaque nach La Paz ausbauen. Wir sind wohl welche der letzten, die dieses Stück noch als Abenteuer erleben können. Das pure Abenteuer erleben wir dann aber, als wir vor einer weiteren Straßensperre stehen. Wir werden an die 036 Die gefaehrliche Fahrt ueber das herabrieselnde Schutthaeufchen037 Wasserdurchfahrt in den AndenSeite gewunken und müssen stehen bleiben, hier kommen auch Motorräder nicht drüber, erzählt man uns. Teile des Berges sind gesprengt wurden um die zukünftige Straße zu verbreitern. Mitten auf dem Weg liegt jetzt ein drei Meter hohes Schutthäufchen und Steine rieseln immer noch von oben runter. Auf der anderen Straßenseite fällt der Berg 20 Meter steil ab. Erst um fünf Uhr abends ginge es weiter. Das hieße für uns aber erstens, dass wir im Dunklen fahren müssten und zweitens, dass wir eventuell von einem der wahsinnigen Rasern über den Haufen gefahren werden könnten. Josh läuft die Stelle ab und meint man könne da drüber fahren. Etwas ungläubig schaue ich ihn an, genauso wie der Baustellenleiter. Nach einer halben Stunde Diskussion und Erzählungen unserer bisherigen Reise scheint er aber zu verstehen, dass Josh da tatsächlich drüber fahren kann. Der Weg ist frei, meint er nach kurzer Überlegung, ihr habt eine halbe Stunde, dann arbeiten wir weiter. Kurzerhand schnallt Josh die Packsäcke hinten auf den Bikes ab und innerhalb zwei Minuten ist mein Motorrad auf der anderen Seite. Dann das gleiche Spiel mit seinem. Da dieses etwas schwerer ist, bleibt er mitten auf dem Schutthäufchen stecken. Einige kleine Steinchen rieseln ihm von oben auf den Helm. Ich sprinte schon los um ihm zu helfen, da hat das Adrenalin in ihm genug Kraft aufgebracht und er hat das Motorrad aus dem Haufen raus befördert auf die andere Seite. Dort zieht er den Helm ab und schaut mich mit funkelnden Augen an: "Der Weg ist frei!" Dieser Wahnsinnige. Ich schüttel nur lachend den Kopf. Wieder haben wir die Straße für uns und kommen gut voran. Nachmittags biegen wir 039 Einfahrt zur Death Road040 Death Road als Touristen Attraktion jede Menge Fahrradfahrerschließlich ab auf den "Camino de la muerte" - auf die Todesstraße. Diese schmale Schotterpiste schlängelt sich an den Anden entlang bis auf 3100 Meter Höhe. Früher sind hier hunderte Lkw und Busfahrer im Jahr ums Leben gekommen. Die Straße war einfach zu schmal und teilweise zu rutschig um mit großen Fahrzeugen dort lang zu fahren. Viele sind einfach in den Abgrund gestürtzt. Heute gibt es eine 041 Die Death Road041 Die Death Road1asphaltierte Umgehungsstraße und die ehemalige Straße ist für Busse und Lkws gesperrt. Wenn man mit dem Motorrad hoch fährt, fährt man auf der Berginnenseite, es ist also ziemlich einfach und macht dem Namen heute keine Ehre mehr. Die Einzigen, die einem entgegen kommen, sind Fahrradfahrer. Diese buchen für teures Geld in La Paz eine Fahrradtour mit einem Guide und fühlen sich dann 041 Die Death Road2041 Die Death Road3041 Die Death Road4unheimlich toll, wenn sie diese Straße mal runter gefahren sind. Wunderbar. Wir haben das ganz ohne Guide geschafft. Auf halber Strecke fahren wir in dichten Nebel hinein, der hier immer nachmittags auftritt. Plötzlich wird es richtig kalt und ich bin dann doch froh, als wir am Ende der Straße einen kleinen Schotterplatz finden, wo wir unser Zelt aufschlagen. Dies wird die kälteste Nacht seit langem auf über 042 Pass la Cumbre in Richtung La Paz042 Pass la Cumbre in Richtung La Paz1044 Die steilen Strassen in La 13000 Metern Höhe, aber in unsere Schlafsäcke gekuschelt kriegen wir davon im Zelt nicht so viel mit. Am nächsten Morgen hat sich der Nebel verzogen und nach kurzer Fahrt biegen wir auf die Asphaltstraße und haben eine atemberaubende Sicht auf die umliegenden Berge. Endlich mal wieder richtig Kurven fahren! Es geht über den Pass La Cumbre mit 4700 Metern, dann wieder etwas hinunter bis wir schließlich 043 La PazLa Paz vor uns erblicken. Der Anblick macht uns erst einmal sprachlos. Die Stadt erstreckt sich in einem Tal, umrandet von 4000, 5000 und 6000 Meter hohen Bergen, und steigt langsam an, bis sie in die angrenzende Stadt El Alto auf 4100 Metern mündet. Sowas haben wir noch nicht gesehen! Trotz der Höhe von 3600 Metern haben wir keine Anzeichen von Kopfschmerzen und so machen wir uns weiter. Wir wollen nach El Alto, da wohnt Joshuas Kumpel Constantin. Er macht hier in Bolivien für ein Jahr ein soziales Projekt und bei ihm können wir wohnen. Wir fahren durch die wuselige Stadt, überall ist Markt und überall sind Menschen. Die Straßen werden immer enger und steiler, bis wir schließlich vor einer Straße stehen, für die 15% Steigung nicht genug ist. Mit viel Kupplungs- und Gasarbeit quälen sich die Maschinchen da hoch. Josh schafft es bis oben hin, ich bin mit dieser Fahrweise irgendwie nicht so vertraut und muss auf halber Strecke stehen bleiben. Die Hände an Kupplung und Handbremse, den Fuß zusätzlich auf der Fußbremse, weil ich sonst einfach gnadenlos rückwärts wieder runter rutschen würde, hänge ich nun da wie ein Affe auf dem Schleifstein. Mir fällt tatsächlich nichts anderes ein als einfach Hilfe zu rufen. Josh kommt von oben gerannt, wir wechseln an dieser doch sehr bescheidenen Stelle den Fahrer und mit Schieben und Gasgeben kommen wir schließlich oben an. Bei uns beiden setzen die Kopfschmerzen ein. Anstrengung auf dieser Höhe sollte man eigentlich 044 Die steilen Strassen in La046 Hoehenkrankvermeiden. Josh muss die Kupplung nachstellen und hat sogar Angst, dass wir sie zerstört haben. Währenddessen erzählen uns die Menschen um uns herum so ganz nebenbei, dass es ja auch eine Umgehungsstraße gegeben hätte, die nicht so steil ist. Na wunderbar, das hätten sie uns vielleicht vorher sagen sollen. Trotz Kopfschmerzen fahren wir weiter nach El Alto, auf der Suche nach einem Cafe 054a Werbung fuer Haune Rock in La Paz047 Die Seilbahn in La Pazmit Internet, denn noch haben wir Constantins Adresse nicht. Da Sonntag ist, suchen wir vergeblich, alles hat zu. Ich merke wie es mir immer schlechter geht, die Kopfschmerzen hämmern und in der Magengegend habe ich ein leichtes Unwohlsein. Wir fahren schließlich mit letzter Hoffnung an den Flughafen, Joshuas Kupplung funktioniert nicht mehr richtig und der Verkehr und die Menschenmassen auf 047 Die Seilbahn in La Paz1den Straßen tragen nicht zur Verbesserung unserer körperlichen Lage bei. Als ich vom Bike steige und ins Flughafengebäude gehe, merke ich schon, wie sich mir leicht der Boden unter den Füßen wegzieht. Wir schaffen es gerade noch so in das Cafe wo ich mich auf das erstbeste Sofa legen muss. Die Kopfschmerzen sind unerträglich, mir ist schlecht und am ganzen Körper gribbelt es ganz komisch. Ob wir die Adresse von Constantin haben oder nicht, ist nun hinfällig. Das Einzige was mir jetzt noch hilft ist runter von der jetzigen Höhe. Alles andere kann gefährlich werden. Wenn man noch nicht akklimatisiert ist, können sich Wasserablagerungen im Gehirn und den Lungen bilden. Josh geht es auch nicht gut, aber noch besser als mir. Er packt das Gepäck ein bisschen um, denn er muss mich runter fahren nach La Paz, ich selbst kann nicht mehr fahren. Ein Motorrad lassen wir hier am Flughafen stehen, mit dem anderen fahren wir runter. Mühsam schleppe ich mich aufs Bike. Ich will nur noch runter. Josh hat ein Hostel auf 3500 Metern gefunden. Diese Höhe dürfte kein Problem sein. Dort angekommen kann ich mich nur noch ins Bett legen. Ich muss erbrechen und danach nur noch schlafen. So mies ging es mir noch niemals zuvor. Am nächsten Morgen ist es viel besser, auch bei Josh. Gut dass wir runter gefahren sind. Die Akllimatisierung hat begonnen. Wir waren nur einfach ein bisschen zu schnell.
050 Constantins Familie und wirNach dem Frühstück bekommen wir überraschenden Besuch von Constantins Eltern und Bruder Roland, Patricia und Clemens, die ihn für drei Wochen hier in Bolivien besuchen. Mit ihnen haben wir uns ganz grob schon vorher verabredet, aber dass sie uns jetzt so spontan gefunden haben, ist doch eine Überraschung. Zufällig ist ihr Hostel nur eine Straße weiter unten. Die nächsten Tage gehen wir immer mal mit ihnen und Constantin zusammen essen oder treffen uns abends um einfach ein bisschen zu quatschen. Es ist schön, dass man sich mal wieder mit jemandem auf deutsch unterhalten kann. Nach drei Tagen im Hostel geht es uns wieder so gut, dass wir jetzt zu Constantin ziehen können. Er wohnt in 048 Die Straesschen in La Paz049 Constantins WG in El Altoeiner WG und freut sich sehr, dass wir ihn dort für ein paar Tage besuchen. Zusammen mit ihm erkunden wir die Stadt. Er zeigt uns den größten Straßenmarkt in El Alto, die Feria. Sie erstreckt sich jeden Donnerstag und Sonntag durch die Straßen und nimmt riesige Ausmaße an. Man kann hier alles kaufen, Kleidung neben Wurstwaren neben Autoteilen. Menschenmassen schieben sich durch die Stände und die Luft ist voll von verschiedenen Gerüchen. Da kann man schon mal einen leichten Kulturschock bekommen. Als Reisender ist es schwierig hier den Überblick zu behalten, wir haben in drei Stunden nur einen einzigen Reisverschluss erworben. Wenn man sich aber auskennt in den Ständen, kann man hier jede Menge Geld sparen.
051 Constantin und seine TheatergruppeAn einem Abend lädt Constantin seine Familie und uns zu einem Theaterstück ein, in dem er mitspielt. So kommen wir mal dazu, ein bolivianisches Theaterstück zu schauen. Auch wenn wir nicht alles verstehen, ist es sehr gut gespielt und interessant anzuschauen. Besonders Constantin spielt seine Rolle als General sehr eindrucksvoll, was als einziger deutschersprachiger sicher nicht einfach ist.

 

052 Colibri Camping in La Paz1

052 Colibri Camping in La Paz052 Colibri Camping in La Paz2Nach zwei Nächten sind wir perfekt auf über 4000 Meter akklimatisiert. Da wir auf unserem weiteren Weg über die Anden immer mal wieder über hohe Pässe müssen, ist das auch von Nöten. Anstrengend für unsere Körper ist es dennoch auf dieser Höhe, man fängt sehr leicht an zu schnaufen und besonders meinem Magen-Darm-Trakt gefällt die Höhe weniger. Nach drei Tagen entschließen wir uns daher, auf einen Campingplatz etwas außerhalb von La Paz auf 3100 Metern Höhe zu fahren. Ein bisschen Erholung brauchen wir nochmal, bevor wir weiter nach Peru fahren. Das Colibri Camping erweist sich als Traumplatz. Wir haben eine 055 Blick auf die Anden vom Colibri Campingwunderschöne Aussicht, es ist alles super sauber und wir treffen ein paar Überlandreisende, die mit zu Wohnmobilen ausgebauten Autos unterwegs um die Welt sind. Die aus Deutschland kommenden Thomas und Andrea sind schon seit zwei Jahren unterwegs. Mit ihnen verstehen wir uns sehr gut und sitzen abends lange bei guten Gesprächen zusammen. Thomas ist auch lange Jahre Motorrad gefahren und kann uns viele Tipps übers Reisen und über verschiedene Länder geben. Auch einen Motorrad Reisenden treffen wir seit langer Zeit mal wieder. Martin ist mit seiner BMW bereits durch Asien und Australien gereist und hat sich nun Amerika vorgenommen. Am abendlichen Lagerfeuer tauschen wir lange Biker Geschichten aus.
053 Freunde vom Colibri Camping ganz rechts der Motorradfahrer Martin054 In unserem italienischen LieblingsrestaurantEin echtes italienisches Restaurant nicht weit vom Campingplatz sorgt fürs leibliche Wohl. Mit Pizza und Pasta und Tiramisou füllen wir das wieder auf, was wir wegen der Höhe einbüßen mussten.
Außerdem müssen wir noch einige Sachen neu kaufen, die im Laufe der Reise den Geist aufgegeben haben. In La Paz finden wir aber alles, was wir an neuer Campingausrüstung brauchen und das auch zu sehr guten Preisen. Überraschend müssen wir auch feststellen, dass bei meinem Motorrad das Radlager im Eimer ist. Wahrscheinlich hat es den Schlamm der BR 319 nicht überlebt. Im nächstgelegenen Hondashop gibt es dann auch Gott sei Dank alle passenden Ersatzteile und Josh kann es ohne weitere Probleme wechseln.

056 Rausfahrt aus La Paz

057 Titicacasee1Mit frischem Equipement und top fitten Motorrädern machen wir uns schließlich nach zwei Wochen La Paz wieder auf die Reise. Alle Kräfte sind aufgetankt und motiviert fahren wir Peru entgegen. Die Fahrt geht vorbei am wunderschönen Titicaca See, der mit 3800 Metern einer der höchsten Seen der Welt ist. Wie er so da liegt umringt von Bergen und Hügeln und ungefähr die Fläche der französischen Insel Korsika einnimmt, verschlägt uns sein einmaliger Anblick schier die Sprache. Wenn man dazu allerdings weiß, dass sämtliche Mienen rund herum ihre kompletten Abfälle in den See leiten, wird man traurig. Warum muss diese wunderschöne Natur so mutwillig zerstört werden? Von Umweltbewusstsein haben die Mienengesellschaften hier leider noch nicht so viel gehört.

057 Titicacasee