Chile Mitte

01Erster Ausblick auf Santiago mit Daniel und Loretta50Die Tour kann losgehen letzter Ausblick ueber Santiago und los gehts51Kleine Kuestenstrasse kurz vor La BocaWir starten unsere erste Tour mit den Bikes. Nach dem Lärm und der stickigen Luft der Stadt zieht es uns in den Norden. Wir fahren nach Pichidangui, einem kleinen Ort direkt am Meer. Dort gewöhnen wir uns an unser zukünftiges Zuhause, unser Zelt. Platziert für die 52bErste Fahrt im Sand bei der Schlafplatzsuche in La Bocanächsten Tage auf 53Aussicht von den Klippen in La Boca aufs Meereinem Campingplatz am Strand. Die saubere Luft und das Rauschen des Meeres tun gut, wir sind eben doch Landeier. Mich holt allerdings am zweiten Tag eine dicke Erkältung ein und ich bin erstmal die nächsten zwei Tage außer Gefecht gesetzt. Diese Tage werden also zum Entspannen und Kraft tanken genutzt und nach52aErste Fahrt im Sand bei der Schlafplatzsuche in La Boca guter Pflege mit viel Tee geht es auch bald aufwärts. So drehen wir bald darauf unsere erste Tour durch die Berge des Nordens, werden mit grandiosen Ausblicken belohnt und von Wildpferden begleitet. Am Folgetag nehmen wir uns die erste sanfte Offroad Tour vor und befahren die Routa de los Tuneles. Es klappt gut, trotz Sand und Staub meistere ich das recht gut. Beim Drehen an einer Straßenecke jedoch werde ich Gas, Kupplung, Bremse und der schrägen Lage des Bodens nicht mehr Herr und das Bike fällt um. Es passiert nichts, weder mir noch dem Bike, und nach kurzer Aufregung ist alles wieder gerichtet. Die kurvige einspurige Piste schlängelt sich an einer Bergflanke entlang und zieht nach einer engen Kurve schnurstracks auf eine unüberwindbare Felswand zu. Auf den zweiten ungläubigen Blick erkennt man eine ovale Öffnung im Berg. Tiefschwarz, ohne Licht am Ende des Tunnels, wirkt es etwas bedrohlich. Die ersten vorsichtigen Meter spritzt das Wasser an die Tunnelwand und das Bike wird von den tiefen schlammigen Schlaglöchern durchgeschüttelt. Die Augen, noch nicht an die Lichtverhältnisse gewöhnt, weit aufgerissen um schemenhaft das ganze Ausmaß der ca. 1000m langen Dunkelheit zu erahnen. Die grob behauenen Wände dieses knapp einspurigen Tunnels erkennen wir, als wir das Auto hinter uns vorbeilassen. Es wirkt zum einen als physischer Schutz vor dem Gegenverkehr, zum anderen bringt es etwas Licht ins Dunkel wegen der deutlich besseren Scheinwerfer. Wir kleben uns ans Heck des vorausfahrenden Fahrzeugs. Wo der Schlamm nicht spritzt, raubt uns der Staub in dem unbelüfteten Tunnel die Sicht.59Ausklang des Tages bei waermendem Feuer Nach ein paar bangen Minuten ist die erste Feuertaufe für Fahrer und Maschine bestanden. Im gleißenden Licht der Tunnelausfahrt eröffnet sich ein weites Tal, eingerahmt von grünen Hügeln und gekrönt von dem ersehnten Asphaltsträßchen. Es ist geschafft. Wir entspannen abends bei Feuerschein und frisch gemachten Spaghetti Bolognese. Das Campen läuft gut. Das Zelt ist dicht, die Schlafsäcke warm, die Matte weich, alle Lichter tun ihren Dienst und der Benzinkocher heizt wie die Hölle. Trotz der kalten Witterung und dem ständigen Wind wird uns mit dem stets guten Essen und dem heißen Tee selten kalt. Gegen Abend wärmt ohnehin das gemütliche Feuer.

54Nur Fliegen ist schoenerSo schön es am Meer ist, müssen wir nach ein paar Tagen wieder den Rückweg nach Santiago antreten. Die Bikes bekommen die 1000Km Inspektion von Honda und dort wartet man schon auf uns. Vorher natürlich noch Zwischenstopp in Viktors Café. Er ist etwas angeschlagen von einer 02Daniel beim Grillen04Vorzuegliche Rinderhuefteverschleppten Erkältung, aber er freut sich uns zu sehen und bewirtet uns wie immer göttlich. Es dauert keine zehn Minuten, da sitzt Daniel, ein täglicher Gast und guter Freund von Viktor bei uns am Tisch. Wir haben ihn bereits vor unserem Trip nach Pichidangui einmal kurz bei Viktor getroffen und uns über unsere Tour03Selbstgebaut und funktionell unterhalten. Wir scheinen Daniel so begeistert zu haben, dass er uns anbietet, für die restliche Zeit in Santiago bei ihm zu wohnen. Wir müssen wegen der Inspektion und ein paar kleinen Schraubereien am Motorrad noch ein wenig in der stickigen Stadt bleiben. Über dieses Angebot freuen wir uns sehr und willigen sofort ein. Keiner ist scharf darauf noch eine Nacht im Hostel mitten in der Stadt zu verbringen. Als er sagt, er wohne in den Bergen, ahnen wir noch nicht was auf uns zukommt. Wir biegen von einer Teerstraße auf eine Dreckpiste, die serpentinenartig den Berg hinaufführt. Mit jeder Kehre wird die Hoffnung größer, dass wir dem Wahnsinn der Stadt entfliehen können. Nach einem kleinen Bergkamm halten wir an und vor unseren Rädern breitet sich die Stadt in ihrer vollen Größe aus. Die tiefstehende Sonne tunkt das schattige Tal, in dem sich die Straßen winden, in ein orangenes Licht. Man kann die Dunstglocke der Abgase über den Dächern stehen sehen, doch hier oben ist die Luft klar und frisch. Daniel hält 50 Meter weiter an und fragt, warum wir stoppen. Wir sind fast da. Er schließt das unauffällige Holztor auf und von seinem Garten aus bietet sich uns eben beschriebener Blick nun für die nächsten Tage. Hier wohnt Daniel mit seiner Freundin Loretta in einem kleinen Häuschen mit Garten und diesem wunderschönen Ausblick über Santiago. Wir werden mit einem Barbecue empfangen. Daniel grillt Hähnchen und einen riesigen Rinderbraten, dazu gibt es leckere, selbstgemachte Salate. Wir kennen uns seit fünf Stunden und fühlen uns gleich wie zu Hause.

49Schoen dass manche privilegiert sindDie Inspektion bei Honda läuft Widererwarten gut. Der Mechaniker macht seine Sache gewissenhaft und Josh schaut ihm mit Adleraugen auf die Finger. Am Ende kommen die zwei mit schwarzen Fingern und zufriedenem Grinsen als Kumpels aus der Werkstatt. Alles erledigt. Mit Daniel wird nun noch der Rest des spanischen Wartungshandbuches über Englisch ins Deutsche übersetzt, falls man mal selbst ran muss. Es stehen noch ein paar Erledigungen an. Wir wollen für die Bikes noch Felle für den Sitzkomfort besorgen und eine Werkzeugrolle montieren. Schön wären auch ein paar Handprotektoren und eine Scheibe gegen den beißenden Wind im kühleren Süden. Die Felle bekommen wir von Loretta, unserer Gastgeberin und Betreiberin eines kleinen Motorradgeschäfts. Die Werkzeugrolle wird nach einem kurzen Besuch im Baumarkt selbst gebastelt. Der Rest gestaltet sich schwieriger als gedacht. Es wird trotz Daniels Hilfe zur schweißtreibenden Aktion. Nach zwei Tagen muss Josh sich eingestehen, dass die chilenischen Standards einfach nicht wie die deutschen sind. Letztendlich beschließen wir ohne Handprotektoren und Scheibe loszufahren. Die Konstruktionen, die zur Auswahl stehen, sind einfach zu abenteuerlich oder deutlich zu teuer. So wird alles unbedingt Nötige einfach selbst gebaut. Neben der Rolle auch eine neue Halterung fürs GPS und zwei 12V Dosen für den nötigen Saft.10aSonnenuntergang ueber den Daechern von Santiago10bSonnenuntergang ueber den Daechern von Santiago
09dAusblick in die Weiten der Anden Panorama09bAusblick in die Weiten der Anden21Die Moppeds machen auch auf der Strasse SpassAm Wochenende steht die letzte Probefahrt der Maschinen an. und wir machen mit Daniel und Loretta noch einen Ausflug. Es geht mit den Mopeds in die Anden hinein, auf den Berg La Parva mit 2250 Meter Höhe. Die Straße schlängelt sich in Serpentinen und mit 47 Kurven bis an den höchsten17 Blick auf ein Haeusermehr von 8 Milionen Menschen Punkt. Unsere Bikes machen mit der Einspritzung eine gute Figur, kaum Leistungsverlust auf dieser Höhe. Loretta und Daniel mit ihren Vergasermoppeds hingegen zuckeln immer langsamer den Berg hinauf. Oben angekommen machen wir bei wundervollem Ausblick ein Picknick. Daniel hat ein25Brotzeit mit Daniel und Loretta angeblich typisch deutsches Gericht vorbereitet, was wir aber so gar nicht kennen. Es gibt Hackfleisch mit Paprika- und Zwiebelstückchen, Petersilie und Zitronensaft, dazu Brötchen und e42Und es geht die 47 Kurven wieder hinunter ins Talinen Tomatensalat. Wie immer schmeckt es köstlich und obwohl es kein bekanntes deutsches Gericht ist, so könnte es zumindest demnächst ein bekanntes haunetaler Gericht werden. Wir sehen hier das erste Mal einen Kondor, der über uns seine Runden zieht und ein Adler ist besonders neugierig. Er landet fünf Meter neben uns und ist derart zutraulich, dass er sich mit Brotkrumen füttern lässt. Er frisst uns fast aus der Hand, bevor er von der Felskante vor uns in die Tiefe stürzt, um in einem großen Bogen in den warmen Luftschichten wieder nach oben zu ziehen und über unseren Köpfen zu schweben:

33Adler fuettern in freier Wildbahn28Besuch vom Adler30Der Adler geht auf Tuchfuehlung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

32Der Adler moechte auch etwas vom Picknick ab habenWir fahren ein letztes Mal bei PuntoMoto vorbei, um unsere Nummernschilder abzuholen und uns zu verabschieden. Es wird am Amt immer noch gestreikt, sodass uns noch zwei Dokumente für die Bikes fehlen. Wir werden dennoch aufbrechen. Kein Papier der Welt soll uns hier halten, solange ein ganzer Kontinent auf uns wartet. Josefa fragt mit großen Augen, ob wir nun wirklich nicht zurückkehren werden. “Nur wenn wir nicht in die USA einreisen dürfen” können wir tröstend antworten. “Ich hoffe sie lassen euch nicht rein” sind ihre letzten Worte.
05Nach getaner Arbeit Viktors Schilder stehen in neuem Glanz daBevor es nun losgehen kann muss ich noch ein Versprechen einlösen. Das Café Monarchie soll in einem neuen Design erstrahlen. So mache ich mich mit meinen ruhigen Händen daran, die Menütafeln neu zu gestalten. Nach einem Stündchen Arbeit ist Viktor von dem Ergebnis begeistert und stellt gleich noch die Eis Tafel zur Verfügung. Das Frühstück am letzten Tag geht natürlich aufs Haus. Es wird für einige Zeit den kulinarischen Höhepunkt der Tour markieren. Wir verabschieden uns und es fällt nicht leicht, hat er uns doch vieles leichter gemacht hier in Santiago. Täglich waren wir in “der Zentrale” und haben immer neue Bekanntschaften gemacht und Tipps bekommen. In naher Zukunft werden wir ihn wohl nicht wiedersehen. Das verursacht ein mulmiges Gefühl. “Passts auf euch auf, meldets euch mal!” Ein letztes Winken von dem freundlichen, zufriedenen Herrn mit der Zigarette im Mund vor seinem Café sitzend, dann fahren wir los. Mir wird bewusst, dass mir das wohl auf der Reise noch öfter so gehen wird: Abschied nehmen.

20 Suchbild wo ist das Maedchen auf dem MoppedWir fahren gen Süden. Zuerst an der Küste entlang, größere und kleinere Sträßchen, einige Offroad Pisten. 30 Kilometer Offroad auf Steinen und Sand verlangen mir einiges ab, es klappt sturzfrei, wenn auch etwas gemächlicher. Wir testen ein paar Campingplätze und müssen feststellen, dass diese hier doch recht teuer sind. 20 Euro wollen wir nicht jede Nacht ausgeben und campen daher oft wild. Als wir 200 Kilometer südlich von Santiago sind, fällt uns auf, dass wir für eines der Bikes einen völlig falschen Fahrzeugschein bekommen haben. Sehr ungünstig. Mit sowas rechnet man natürlich nicht. Zurückfahren werden wir deshalb auch nicht. Wir rufen bei PuntoMoto an. Josefa 56Erste laengere Offroad Etappe hat Spass gemachtentschuldigt sich tausend Mal und wir einigen uns darauf, dass sie das Dokument zum Honda Händler nach Temuco schickt. Diesmal nehmen wir die Panamericana südlich, um rechtzeitig in Temuco anzukommen. Eine gut ausgebaute, langweilige Asphaltstraße, vergleichbar mit einer deutschen Autobahn. Honda Temuco will erstmal von nichts gewusst haben und der Kollege sucht auch nicht wirklich nach dem Dokument. Freitags, viertel vor eins ist er scheinbar schon im Wochenendmodus. Josefa klärt das kurzerhand telefonisch. Erst als sie dem Typ auf Spanisch klarmacht, dass wir den Laden ohne dieses Dokument nicht verlassen werden, macht er sich auf die Suche und findet es 63Pause am Strand nach laengerer Offroad Etappe tut gutnatürlich. Mit ein bisschen Druck klappt das scheinbar auch mit dem Arbeiten.
Später bei der Schlafplatzsuche haben wir an diesem Abend nicht ganz so viel Glück. In ganz Chile ist 99% der Landschaft in privatem Besitz und umzäunt. Kilometer um Kilometer ziehen sich die Zäune an den Straßen und Wegen entlang. Ein Albtraum für jeden Naturliebhaber und Wildcamper. Am frühen Abend fährt Josh rum und fragt verschiedene Landwirte, ob sie ein Plätzchen für uns frei hätten. Ohne Erfolg. Wer viel hat, möchte bekanntlich nichts teilen. Wir finden dann nur ein kleines Eckchen Wiese am Waldrand, noch dazu einsehbar vom nächsten Weg, aber 57Campingplatz in Pichilemu direkt an der Laguna de Cahuil und ganz alleinzumindest nicht umzäunt. Wir haben es uns gerade beim Abendbrot mit Musik im Zelt gemütlich gemacht, als draußen ein Auto mit rotem Blinklicht vorfährt. Besuch von der Polizei. Englisch sprechen sie nicht, aber wir verstehen mittlerweile ausreichend spanisch. Der Polizist erklärt uns, dass wir hier auf privatem Boden stehen und erst den Besitzer fragen müssen, ob das in Ordnung wäre. Es ist das einzig zugängliche Eckchen in weitem Umkreis und obwohl hier kein Zaun steht, scheint es privat zu sein. Wir stellen uns unwissend und der Polizist macht uns ein freundliches Angebot. Er würde mit seinem Kollegen kurz zu dem Besitzer fahren und in unserem Namen um Erlaubnis 58Kanufahren mit Leon dem Sohn der Campingplatzbesitzerfragen. Wir nehmen dankend an. Nach fünf Minuten kommen sie mit einem Grinsen auf dem Gesicht zurück: “Todo bien!” - Alles gut! Anschließend unterhalten wir uns noch eine Weile über unsere Tour. Die Kollegen sind sehr interessiert. Unsere Namen und Reisepassnummern notieren sie sich zur Sicherheit. Wir versichern, am nächsten Morgen wieder früh aufzubrechen. Alles klar. Mit einem Handschlag verabschieden wir uns.
Am nächsten Morgen ist es kühl und bewölkt. Es fängt an zu regnen, doch wir beschließen weiter zu fahren. Das schlechte Wetter kann man kaum anders nutzen und wir schlagen uns durch den kalten Regen bis nach Puerto Montt, um uns dort eine 60Zum Start in den Tag ein ordentliches FruehstueckUnterkunft im Trockenen zu suchen. Die letzten 100 Kilometer öffnen sich die Schleusen kräftig und trotz Schutzkleidung ist bei 10 Grad alles kalt und durchnässt. Wir sind sehr erleichtert, schnell ein günstiges Hostel finden zu können. Es ist ein Stundenhotel, was wir erst beim Einzug merken. Die Geräusche von nebenan sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber es ist sauber, gemütlich und der Chef ist super nett. Wir beschließen, ein paar Tage hier zu bleiben, bis der Regen aufhört. Die Zeit wird genutzt, um ein überfälliges Problem zu lösen. Durch die Hitze des Auspuffs schmelzen bei beiden Bikes die Satteltaschen, sobald der Fahrtwind fehlt oder das Gewicht in der Tasche zu 66Ankunft in Puerto Montt im stroemenden Regengroß wird. Josh will einen Hitzeschutz mit den vor Ort verfügbaren Mitteln bauen. Die Auswahl an Hitzeschutzmaterialien ist gering, die, der in Frage kommenden Befestigungsmitteln ebenfalls. Nach zwei Tagen kennt Josh jeden Baumarkt und jeden Mitarbeiter in der kleinen Stadt. Im Baumarkt Weitzler wird das Hitzeschutzmaterial gefunden. Joan aus der Ferrateria Weitzler kann uns schließlich die passenden Materialien besorgen. Der Chef unserer Unterkunft ist an der Schrauberei interessiert und schaut uns über die Schulter. Als die erste Befestigung mit dem Hitzeschutzband nicht zu Joshs Zufriedenheit ausfällt, bietet er an zu helfen. Er fährt zusammen mit Josh in einen Hinterhofbaumarkt, den man 68Roberto El Chefe loest jedes Problemals solchen gar nicht erkannt hätte. Die Auswahl hinter dem unauffälligen Hauseingang ist gigantisch. Es dauert zehn Minuten und alles ist besorgt. So einfach kann es gehen. Die richtigen Leute muss man kennen. Mit den nötigen Materialien kann nun der Hitzeschutz problemlos gebaut werden.

 

 

 

61Ausblick in die AndenDas Wetter wird unterdessen immer besser und beim Schlendern durch die Straßen von Puerto Montt entdecken wir einen Club Aleman (Den Deutschen Verein) und gehen dort essen. Am Nachbartisch lässt sich ein Pärchen nieder, die ebenfalls deutsch sprechen. Über die Tische hinweg kommen wir ins Gespräch. Die beiden, Bringfried und Sylvia, kommen aus Weimar und reisen schon seit August mit Bus oder zu Fuß durch Südamerika. Sie kommen gerade aus dem Norden des Kontinents und haben viele hilfreiche Tipps für uns. Wir verabreden uns am selben Abend auf ein Bierchen in einer nahegelegenen Bar. Dort tauschen wir Informationen aus und zeigen uns gegenseitig Bilder. Auf Anhieb verstehen wir uns super, Bringfried ist auch Motorradfahrer und ganz angetan von unserer Tour. Die Gesprächsthemen sind unerschöpflich. Am Ende des gemütlichen Beisammenseins erhalten wir eine nette Einladung nach Weimar, sobald wir wieder in Deutschland sind. Beim Bezahlen wird Sylvia plötzlich ganz aufgeregt. Ihr Rucksack ist weg. Sicher hat uns das Pärchen am Nachbartisch beobachtet und gesehen, wie Sylvia ihre Kamera und das iPad nach dem Bilderschauen im Rucksack verstaut hat. Ausweise und Geldbeutel haben sie aber glücklicherweise am Mann. Die Polizei wird gerufen und alles wird aufgenommen, die Wertsachen werden aber wohl nicht aufgefunden werden. Kurzerhand beschließen wir, noch zwei Tage länger zu bleiben und den beiden beim Kauf eines neuen Tablets und einer Kamera beratend zur Seite zu stehen. Wir genießen die mittlerweile sonnigeren Tage in Puerto Montt gemeinsam, werden von den beiden zum Essen eingeladen und verstehen uns blendend. Die beiden Männer gehen dann technisch fachsimpelnd zur Tat über und kaufen ein neues Tablet und eine Kamera. Alles wieder im Lot. Noch schnell das Polizeiprotokoll für die Versicherung am Präsidium abgeholt und schon ist es auch nur halb so teuer. Wir verabschieden uns herzlich. Für die beiden geht es nun aufs Schiff durch die Fjorde, für uns natürlich auf die Piste.

75Abfahrt von La Parva ueber Schotter und Geroell