Brasilien Nord Ost

003 Aussicht vom Kap in Cabo Frio

001 Abschied von der Familie Novellini in NiteroiÜber einen Monat haben wir nun in der Gegend rund um Rio de Janeiro verbracht. Schön war es, wir haben Nino viel zeigen können, viele neue Freunde gewonnen und sind bestens erholt. Beide haben wir jetzt aber den Wunsch weiter zu fahren, um neue Dinge zu erleben, neue Landschaften zu erkunden und neue Menschen kennenzulernen. Dennoch fällt der Abschied von der Familie Novellini schwer, haben wir doch so lange bei ihnen gewohnt. Diesmal kommen wir nicht wieder zurück. Adriana gibt uns noch einen ordentlichen Vorrat ihrer selbst gemachten Brownies mit und dann geht es los. Beim Drücken des Startknopfes gribbelt es mir im Bauch. Nach drei Wochen als Beifahrer bei Josh hinten drauf freue ich mich richtig aufs Fahren. Alle Bedenken und Ängste, die vom Unfall her rührten, sind wie weg geblasen. Lange steht Alexandre noch in der Einfahrt, als wir abfahren. Wir sind ihm und dem Rest der Familie sehr ans Herz gewachsen.

002 Unser Zeltplatz in Cabo FrioSchnell sind wir aus dem Zentrum von Niteroi raus und befinden uns am Weg nach Osten. Cabo Frio wurde uns wärmstens von Adriana ans Herz gelegt. Es habe wunderschöne Strände. Die Straße dorthin ist allerdings vollgestopft mit Lkws und macht nicht wirklich Spaß. Noch dazu haben wir mal wieder einen Regentag erwischt, wodurch der Charme des kleinen Städtchens nicht so richtig zur Geltung kommt. Der Schlafplatz an diesem Abend macht aber alles wieder wett, wir können unser Zelt direkt am Kapp am atlantischen Ozean aufbauen und haben eine wunderbare Sicht aufs Meer. Am nächsten Morgen bei der Abfahrt trifft uns jedoch regelrecht der Schlag. Ein langes Wochenende steht bevor und es scheint so als haben sich alle Einwohner Rios und Sao Paulos abgesprochen, die freien Tage in Cabo Frio am Strand zu verbringen. Touristen wohin man blickt, verstopfte Straßen, Agenturmitarbeiter, die lauthals irgendwelche 4x4 Truck-Touren in der Innenstadt anbieten und uns sogar noch hinterherbrüllen, als wir um die nächste Ecke fahren! Nichts wie weg hier! Unsere Entscheidung ist gefallen: Kurzer Hand werfen wir unseren Plan, an der Küste nach Norden zu fahren, über den Haufen. Wir haben keine Lust auf überfüllte Straßen und Menschenmengen, und letztendlich sind sich jeder Strand und jede Küste nach einiger Zeit doch ähnlich. Von nun an werden wir schöne kleine Sträßchen im Landesinneren nehmen, auf denen wir viel ruhiger und gelassener reisen können.

005 Das schoene Innland Brasiliens a005 Das schoene Innland BrasiliensDas wir die richtige Entscheidung getroffen haben, stellt sich schon bald in einem der kleinen, verschlafenen Orte am Wegesrand heraus. Wir sitzen an diesem Mittag in Itarana ziemlich geschafft beim Essen. Hinter uns liegt eine sandige Geländepiste, auf der ich gleich die neuen Satteltaschen, die Nino uns mitgebracht hat, eingeweiht habe. In einer Kurve rutscht das Bike weg und ich falle mal wieder ordentlich auf die Nase. Die eine Satteltasche hat ein Loch. Ärgerlich, aber ich habe ja den "Reparierer" dabei. Josh flickt sie schnell und außer einem schmerzenden Knie ist nichts weiter passiert. Trotzdem sitze ich etwas niedergeschlagen und Gedanken verloren beim Essen. Plötzlich steht ein etwas kräftigerer, Kutte tragender Mann bei uns am Tisch. Er stellt sich als Marcello vor und spricht gutes Englisch. Sein Kumpel habe unsere Bikes mit 006 Maria Marcellos Mutterdem chilenischen Nummernschild gesehen und ihm gleich Bescheid gegeben. Da er selbst schon mit seinem Motorrad durch Peru gereist ist, musste er da doch gleich mal nachschauen. Er bietet uns eine Dusche in seinem Haus um die Ecke an, und wenn wir mögen, auch eine Übernachtung. Das kommt uns gerade recht und wir nehmen dankend die Einladung an. Wir lernen auch seine Mutter Maria kennen, die uns gleich herzlichst das Gästezimmer anbietet. Nach kurzem Gespräch verabschiedet sich Marcello allerdings zu unserer Verwunderung. Er müsse jetzt in die Bar, Bier trinken. Wir schauen uns nur Schulter zuckend an. Na, wenn er meint. Josh kann so mein Bike vom Sturz wieder richten und ich kann mein Knie schonen. Außerdem kümmert sich Maria rührend um uns. Sie macht uns Kaffee und bringt Kuchen, sie richtet das 007 Bei Marcello und Maria Ein fabelhaftes FruehstueckGästezimmer gemütlich her und zu meiner Überraschung überreicht sie mir ein kleines Geschenksäckchen. In ihm befinden sich drei Unterhosen. Maria meint, die könne ich sicher gut gebrauchen, sie wären gut zu waschen und schnell zu trocknen, also perfekt fürs Motorrad reisen. Ich muss schmunzeln. Diese rüstige Dame hat den Durchblick! Allerliebst. Ganz entgegen da ihr Sohn, der stark betrunken von der Bar zurück kommt. Er bringt nun kaum noch ein englisches Wort zu Stande, brabbelt etwas von abends ausgehen und uns zum Essen einladen. Ziemlich schnell verschwindet er dann aber in seinem Zimmer. Wir hören noch ein paar Würgegeräusche, aber zu Gesicht bekommen wir ihn an diesem Abend nicht mehr. Komischer Gastgeber. Seine Schwester nimmt uns zur Entschädigung abends mit zum Dorffest. Amüsiert stellen wir fest, dass es 008 Abschied von Marcello und Mariasich um eine Art Kirmes handelt. Ungefähr ähnliche Musik, ähnliches Essen und ähnliche Lokalität. Wir gönnen uns ein Abendessen mit gefüllten Teigtaschen und einem Reisteller. Ziemlich müde vom Tag fahren wir aber bald wieder zurück und kuscheln uns in die weichen Betten. So haben wir auch mal eine brasilianische Kirmes besucht. Am nächsten Morgen macht uns Maria ein wundervolles Frühstück. Sie lässt es sich außerdem nicht nehmen, mit einem Lappen über meine vom Sturz staubigen Schuhe und Satteltaschen zu wischen. Das ginge doch so nicht, das müsse doch sauber sein! Mit einem Lachen fahren wir an diesem Morgen weiter, eine solch nette Einladung von völlig fremden Menschen hatten wir noch nie.

 

009 Die Fazenda Aimores

012 Erfolgreicher Besuch vom Instituto Terra010 Wir pflanzen Stellas Baum aUnser nächstes Ziel ist das Städtchen Aimorés im Staate Minas Gerais, nicht weit von Marcello und Maria. Wir möchten hier das Instituto Terra besuchen. Hierbei handelt es sich um eine "Fazenda", eine Farm, auf der aus einer Wüste wieder Dschungel gemacht wurde. Ich bin darauf schon in Deutschalnd durch den Dokumentarfilm "Das Salz der Erde" aufmerksam geworden. In diesem Film wird das 010 Wir pflanzen Stellas Baum011 Das Werk ist vollbracht Stellas Baum kann wachsen und gedeihen aLeben des bekannten Fotografen Sebastiao Salgado thematisiert. Er ist in Aimorés auf dieser Farm aufgewachsen. Durch lange Trockenperioden, die immer nur von kleinen Regenschauern unterbrochen wurden, sind alle Bäume nach und nach vertrocknet und Tiere umgekommen. 1998 gründet Sebastiao Salgado mit seiner Frau das Institut, um die vertrocknete Landschaft zu retten. Viele Setzlinge wurden gepflanzt und 011 Das Werk ist vollbracht Stellas Baum kann wachsen und gedeihenanfangs bewässert, bis sich dann schließlich ein eigenes Ökosystem gebildet hat, welches sich selbst versorgen konnte. Die Bäume sind wieder in der Lage das Regenwasser zu speichern und können außerdem mit ihren Wurzeln die Hänge befestigen. Viele Tierarten haben sich mittlerweile wieder hier angesiedelt. Schon in der Einfahrt werden wir vom satten Grün der Bäume empfangen. Kostenlos bekommen wir eine Führung durch das Areal, wenn auch auf Portugiesisch. Keiner der drei jungen Mitarbeiter spricht englisch, aber sie nehmen sich lange Zeit für uns und wir verstehen trotzdem das meiste. Außerdem sind Werke von Sebastiao Salgado ausgestellt. Sie begeistern mich immer wieder und ich kann mich kaum satt sehen. Bevor wir wieder abreisen, haben wir noch ein besonderes Anliegen. Wir möchten einen Baum pflanzen. Für Stella. Georg und Leila und deren Tochter Stella hat Josh auf seiner Afrika Tour kennengelernt und einen Monat bei ihnen im Kongo gewohnt. Im Januar diesen Jahres ist die kleine Stella in die Fänge des reißenden Kongo Flusses geraten. Der Fluss hat sie ihren Eltern nicht lebend wieder zurückgegeben. Ein sehr trauriges Schicksal für alle, die sie liebten. Auch uns hat das hart getroffen. Nun, drei Monate später, haben Georg und Leila eine schöne Idee zum Leben erweckt. Alle Freunde und Bekannte, überall auf der Welt, sollen für Stella einen Baum pflanzen. So entsteht auf dem ganzen Planeten verstreut, ein neuer Wald, neues Leben. Ein sehr schönes Projekt wie wir finden, an dem wir uns sehr gerne beteiligen. Es gestaltet sich etwas schwierig, den Mitarbeitern des Instituts auf portugisisch zu erklären, warum wir ausgerechnet hier jetzt einen Baum pflanzen wollen. Es gelingt uns aber und das Institut unterstützt unser Vorhaben sofort. Es dauert keine zehn Minuten, da kommt der erstbeste Gärtner mit dem Traktor vom Gewächshaus gefahren, auf dem Anhänger einen kleinen Setzling der Art Manila Blanca. Schnell haben wir einen schönen Platz zum Pflanzen gefunden. Josh darf selbst Hand anlegen, buddelt mit dem Spaten ein Loch und setzt das Pflänzchen schließlich in die Erde. Unser Bäumchen für Stella wird also in Aimorés gedeihen und groß und stark werden. Dankbar und erfüllt reisen wir an diesem Nachmittag weiter. Dieser Ort wird in unseren Herzen immer einen festen Platz haben.015 Wunderschoen im Nationalparks Chapada Diamantina a

013 Strassenverhaeltnisse im Staate Bahia013 Strassenverhaeltnisse im Staate Bahia aWeiter geht unsere Reise durchs Inland Brasiliens. Je weiter nördlich wir fahren, desto ärmer werden die Menschen, ihre Freundlichkeit nimmt jedoch zu. Stets sind sie bemüht, dass wir als ihre Gäste alles haben was wir brauchen, obwohl sie sich selbst im Leben kaum etwas gönnen können. Wir durchqueren die weite Landschaft des Staates Bahia. Hier zeigt sich die Armut an den Straßenverhältnissen. Es gibt nur noch 013 Strassenverhaeltnisse im Staate Bahia b014 Das schoene Straesschen durch den Nationalpark Chapada Diamantinawenige Straßen und je kleiner diese werden, desto schlechter werden sie. Es reiht sich Loch an Loch. Eigentlich ist das mit dem Motorrad kein Problem, da man die Löcher einfach umfahren kann, aber hier sind so viele Löcher auf der Straße, dass es sich eher um ein großes Loch als um eine Straße handelt. Manchmal hört die Straße sogar ganz auf. Große Bulldozer reißen manche Straßen einfach ab und machen sie 015 Wunderschoen im Nationalparks Chapada Diamantina016 Die Offroad Strecke im Nationalpark Chapada Diamantina, Josh machts vorsomit wieder zu Dreckpisten. Das ist billiger als eine neue Teerschicht draufzuziehen. Mit großem Geholper erreichen wir schließlich den Nationalpark "Chapada Diamantina". Hier wird die Straße wieder zu Asphalt und viele kleine Kurven schlängeln sich durch die mit Wald bewachsene Landschaft. Unser dortiger Schlafplatz direkt an einer Bergkette belohnt uns für den harten Weg. Um den Park 016 Die Offroad Strecke im Nationalpark Chapada Diamantina, ich machs nach016 Die Offroad Strecke im Nationalpark Chapada Diamantinawieder zu verlassen entscheiden wir uns für einen ca. 30 Kilometer langen Gelände-Pfad. Für die Pisten im Amazonas muss ich vorher noch ein bisschen üben, dafür ist dieser Park hier perfekt. Tatsächlich komme ich schon nach den ersten Kilometern ordentlich ins Schwitzen. Der Weg besteht hauptsächlich aus Sand und Tiefsand. Trotz Verringerung des Reifenluftdrucks, komme ich des Öfteren ganz schön ins 018 Unser Schlafplatz im Nationalpark Chapada Diamantina b018 Unser Schlafplatz im Nationalpark Chapada DiamantinaStraucheln. Als wir vor dem ersten Fluss stehen, den wir durchqueren müssen, muss ich dann aber doch passen. Gut, dass ich Josh dabei habe. Nachdem er zu Fuß die Tiefe des Wassers und die Bodenbeschaffenheiten erkundet hat, fährt er beide Bikes relativ locker durchs Wasser auf die andere Seite. So geht es nun weiter bis zum nächsten Ort, durch Sand und Wasser, über Steine und grobe Felsen schlagen wir uns durch. Gut nur, dass wir bei Aimorés neue Reifen aufgezogen haben. Diese brasilianischen Geländereifen graben sich wirklich durch alles durch. Die meisten Passagen kann ich selbst fahren und tatsächlich habe ich nur einen sanften Sturz im Tiefsand. Den ganzen Vormittag brauchen wir für das kleine Stück und ich bin völlig fertig, als wir endlich wieder Teer unter uns haben. Aber ich kann stolz auf mich sein, wer kann schon von sich behaupten, als Fahranfänger eine solche Geländestrecke gefahren zu sein!018 Unser Schlafplatz im Nationalpark Chapada Diamantina a

019 Schlafplatz am Stausee in Bahia a019 Schlafplatz am Stausee in BahiaIm Staate Bahia müssen wir außerdem einen Stausee überqueren, was sich als kleines Abenteuer erweist. Bei der Fähre handelt es sich bei genauem Hinsehen lediglich um eine Personenfähre, aber da unsere Bikes klein und schmächtig sind, können sie auch mit fahren. Mit Müh und Not schieben Josh und die Männer von der Fähre die Motorräder in die letzte Ecke des Schiffs. Dann tuckern wir anderthalb Stunden im 020 Vor der Ueberquerung des Stausees in Bahia, werden die Moppeds geputzt020 Die Motorraeder werden über Planken verladenSchneckentempo über den See. Auch hier sind die Einheimischen wieder sehr freundlich, wir bekommen Kaffee und Frühstück am Boot angeboten. Auf der anderen Seite angekommen ist der Steg zum Abladen der Mopeds noch schmaler als beim Aufladen. Als sie abgeladen werden, muss ich schnell mal in eine andere Richtung schauen, aus Angst ich müsse sehen, wie sie ins Wasser fallen. Die Männer machen ihre Arbeit aber 020 Ueberquerung des Stausees in Bahia, Hilfe vom Matrosen b020 Ueberquerung des Stausees in Bahia asuper und ich stelle erleichtert fest, dass sie nicht ins Wasser gefallen sondern sicher im Sand stehen. Mit Sicherheit waren wir an diesem Tag Dorfgespräch. So häufig verirrt sich ein Tourist nicht in diese Gegend. Wir haben es aber genossen.

 

 

 

020 Ueberquerung des Stausees in Bahia

021 Offroad Piste zu den Sandduenen bei Barreirinhas022 Jungs spielen gerne im Sand

Unser nächstes Ziel ist ein kleiner Ort in der Nähe von Sao Luis an der Nordküste Brasiliens. Hier gibt es große Sanddünen, deren Zwischenräume sich während der Regenzeit mit Wasser füllen und zu Lagunen werden. Dieses Naturschauspiel ist dort einmalig auf der Welt. Der Weg dahin wird anstrengender, je weiter wir nach Norden fahren und uns somit dem Äquator nähern. Wir sind nun dem

022a Panorama der Sandduenen bei Barreirinhas

Amazonas Gebiet sehr nahe. Es regnet und gewittert hier eigentlich fast jeden Tag ein bisschen und die Luftfeuchtigkeit liegt bei 80 bis 100 Prozent. In der letzten Nacht, bevor wir die Dünen erreichen, gewittert und regnet es ohne Unterlass. Bei jedem Blitz und Donnerschlag sitzt man senkrecht im Zelt. Am nächsten Morgen haben wir noch eine kurze Offroad Strecke zu bewältigen, bevor wir die Dünen erreichen. Es ist matschig und schlammig, doch beim Anblick der Dünenlandschaft ist all unsere Erschöpfung vergessen. Bei Josh kommen Erinnerungen an Afrika hoch und er muss gleich erstmal die nächstbeste Düne mit dem Motorrad erklimmen. Da der Sand der Dünen durch den vielen Regen hart ist, ist das gar kein Problem. Wir parken beide Bikes auf der höchsten Düne im Umkreis und gehen erst mal in einer der Lagunen baden. Herrlich erfrischend ist es und wir sind völlig allein. Alle anderen Touristen, die es hier wieder zu Hauf gibt, fahren mit gebuchten Jeep-Touren zu noch größeren Dünen näher am Meer und geben dafür ein Vermögen aus. Da nehmen wir doch lieber mit den etwas Kleineren Vorlieb, können diese dafür aber ohne Menschenmassen und Motorgeräusche genießen.022 Die Sandduenen bei Barreirinhas022 Zwischendurch auf einer Sandpiste023 Pippin nach der Matschpiste in Barreirinhas026 Rodolfo und die Leute vom Hostel in BarreirinhasSeitdem wir in Niteroi gestartet sind, haben wir nicht eine Pause gemacht, jeden Tag sind wir gefahren. Zur Belohnung gönnen wir uns mal wieder ein Hostel in Barreirinhas, einem Ort nicht weit von den Lagunen. Hier im "Casa do Proffessor" ruhen wir uns ein paar Tage aus. Wir haben einen Glücksgriff gemacht mit diesem Hostel. Es ist super sauber und ordentlich, was man sonst von dem Ort nicht gerade 025 Kurzerhand werden die Bikes zum Waschen durchs Hostel in Barreirinhas geschoben024 Die Bikes bekommen ihre wohlverdiente Waesche in Barreirinhasbehaupten kann, es ist günstig und als ehemaliger Englischlehrer spricht der Chef, Rodolfo, fließend Englisch. Er ist begeistert von unserer Tour und schenkt uns sogar die letzte Nacht. Josh wird plötzlich von einer miesen Erkältung befallen, noch ein Grund mal wieder zu pausieren. Die Bikes bekommen hier eine wohlverdiente Wäsche. Nach vier Tagen fühlt sich Josh wieder fahrbereit. Da er noch nicht so richtig fit wirkt, bin ich mir nicht so sicher, ob wir schon los fahren sollten. Auf der anderen Seite müssen wir weiterfahren, denn in Belém wartet eine weitere Fähre auf uns, die wir rechtzeitig erreichen wollen.027a Unter dem Regenbogen

028 Beladung der Faehre in Belem028 Beladung der Faehre in Belem aWeiter geht es also, diesmal an der Küste entlang Richtung Westen, vorbei an Sao Luis bis nach Belém. Diese Etappe schaffen wir in zwei Tagen. Pünktlich erreichen wir das Büro der Fähre nach Macapá, um unsere Fahrt zu buchen. Wir müssen nun mit dem Schiff durch den Amazonas fahren, denn die Straße hört hier auf. 24 Stunden soll die Fahrt dauern, am nächsten Morgen ist Abfahrt. Wir können aber schon den 028 Beladung der Faehre in Belem b028 Luft raus, Gewicht auf die Ladeflaeche und irgendwann passt das Auto durch die Lueckevorigen Abend auf dem Schiff schlafen, denn es liegt schon zum Beladen im Hafen. Auch diesmal handelt es sich eigentlich um ein Personenschiff. Da aber auch Waren transportiert werden, hat es einen großen Frachtraum, wo die Bikes genügend Platz haben. Es gibt zwei Schlafdecks, auf denen die Passagiere in Hängematten schlafen. Da wir aber nur eine Hängematte im Gepäck haben, bauen wir einfach unser Zelt an Deck auf. In der ersten Nacht schlafen sowieso nur die Arbeiter der Crew an Bord. Morgens werden noch die restlichen Güter eingeladen. Erstaunlich was die Männer alles in dieses Schiff laden. Zwiebeln, jede Menge Obst und Säcke von Maismehl befördern sie in den Frachtraum. Noch erstaunlicher ist auf welche Weise, mit welcher Kraft und Kreativität die Waren verladen werden. Der Verladesteg ist auf Stelzen feststehend, das Schiff ist schwimmend natürlich der Ebbe und Flut des Meeres ausgesetzt. Der Höhenunterschied beträgt mitunter ein ganzes Deck, knappe zwei Meter. Je nach Wasserstand werden die Kisten und Säcke voller Früchte und Mehl mal in Menschenketten geworfen, mal mit dem Flaschenzug hinabgelassen. Ist der Wasserstand niedrig, legen sie sehr schräge Planken vom Steg ins untere Deck und schmeißen mit unglaublicher Präzision die Kisten auf die schrägen Planken, die ohne Führung drei bis vier Armlängen über dem trüben Wasser entlangrutschen und am anderen Ende von zwei Arbeitern abgefangen und eiligst zur Seite gestellt werden, bevor nur Sekunden später die nächste Kiste folgt. Nicht eine sehe ich im Wasser landen. Wie ein Uhrwerk läuft das Verladen, angetrieben von der Kraft und unglaublichen Ausdauer der Matrosen. Zum Schluss wird so mit günstigem Wasserstand sogar noch ein kleines Auto drauf gequetscht. Dann ist endlich Abfahrt, 029 Erster Abend auf der Faehre in Belem031 Die Fahrt mit der Faehre von Belem nach Santanazwei Stunden zu spät, aber wen interessiert das schon. Wir fahren zunächst in einen anderen Hafen von Belém, wo die restlichen Passagiere einsteigen. In kürzester Zeit sind die beiden Decks vollständig mit Hängematten zugehangen. Man kann quasi im Schlaf seinen wildfremden Nachbarn umarmen. Privatsphäre gibt es daher so gut wie keine. Wir können aber unser Zelt stehen lassen, dafür reicht gerade noch so der Platz. Leute aller Altersklassen fahren mit, vom kleinen Baby bis zum 80 jährigen Herren. So fahren wir voll beladen durch die vielen Arme des Amazonas. Der Regenwald erstreckt sich eindrucksvoll zu unseren Seiten, hohe Palmen und uns unbekannte Bäumen wohin das Auge reicht. Während ich Gedanken verloren aufs Wasser schaue, platscht auf einmal vom oberen Deck ein Plastikpäckchen ins Wasser. Verwundert erkundigen wir uns bei den anderen Passagieren, was das zu bedeuten hat. Sie erklären, dass am Rande des Flusses viele arme Fischerfamilien leben. Die Einheimischen, die die Fähre benutzen, wissen das. Um diese Familien zu unterstützen, packen sie kleine Päckchen mit Essen, Überraschungen für die Kinder oder anderen Kleinigkeiten und werfen sie dann über die Reling. Die Familien paddeln mit ihren kleinen Paddelbooten dicht an das Schiff heran und sammeln die Päckchen aus dem Wasser. Bestimmt 50 solcher Päckchen landen während unserer Fahrt im Wasser. Die Mamas mit ihren Kindern sitzen selbst im strömenden Regen wartend in ihren Paddelbooten und paddeln los, sobald die Fähre zu sehen ist. Kommt ein Päckchen geflogen, verwandeln sich ihre Gesichter in ein strahlendes Lachen. Eine sehr schöne Idee und wir sind ein bisschen enttäuscht, dass wir davon nicht eher erfahren haben. Dann hätten wir auch ein Päckchen gepackt.
030 Unsere Bikes stehen sicher auf der Faehre in BelemAm zweiten Tag der Fahrt bekommt Josh plötzlich Fieber und fühlt sich ziemlich erschöpft. Sonst hat er aber merkwürdigerweise nichts. Ich muss gleich an die vielen Mücken denken, die uns am Weg hierher geärgert haben und diverse Arten von Fieber übertragen können. In Macapá möchte er aber nicht ins Krankenhaus gehen, da dies eine sehr abgelegene Gegend ist und die Krankenhäuser hier keinen guten Ruf haben. Außerdem müssen wir feststellen, dass das Schiff plötzlich Kurs auf Santana, eine Stadt südlich von Macapá nimmt. Dort ist dann auch Endstation. Für uns nicht weiter schlimm, da wir ja mobil sind, aber trotzdem nicht wie geplant. So entscheiden wir uns bis nach Französisch-Guyana zu fahren. In der Hauptstadt Cayenne soll es gute Ärzte geben. 800 km sind es bis dahin, die Straßen sollen ganz gut sein und Josh meint, dass er das schon schafft. Dass WIR das zusammen auf jeden Fall schaffen!

032 Josh fuehlt sich erschoepft