Anden und Atacama

 Sandduenen soweit das Auge reicht

Beginn der Tunnelpisteunveraendert seit 1910 grob gehauen unbeleuchtet schmal und staubigSchnell wollen wir aus Santiago hinaus und nehmen die zügige Stadtautobahn. Raus aus dem Kessel der Großstadt, genießen wir die noch kühle Morgenluft, die durch unsere gut belüfteten Motocross Helme zieht. Die tiefstehende Sonne wirft noch lange Schatten, die Glieder sind noch frisch und das ständige Spiel der Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen hält uns Huebsche Kurven vor Vicunahellwach. Mit einem Grinsen biege ich von der Schnellstraße auf ein etwas kleineres Sträßchen ab, das laut Karte bald einen Berg hinauf führen muss. Da kommt sie schon nach dem ersten Ort, die erste schön gleichmäßig gezogene Kehre den Hang hinauf. Es macht wieder Spaß nach der langen Abstinenz. Wer behauptet fliegen sei schöner, der hat ja keine Ahnung! Das Sträßchen zieht sich und mündet in das Nächste, eine Abbiegung, ein kleiner Ort; kurz auf die Karte gelinst, einen Schluck getrunken und weiter an den Bergen entlang. Der Asphalt hört nach einer langen Dunkelheit auf, wir kennen diesen Tunnel von unserer ersten Pistenfahrt auf diesem Kontinent. Wir sind wieder auf der “Los Tuneles” PapageienPiscotal ein Wunder der Bewaesserung(Die Tunnel) genannten Panoramapiste entlang der Kalk- und Granitminen in dem kleinen Gebirge am Fuße der Anden. Es wird die Luft aus den Reifen gelassen bis das Gummi sich gut an die Steinchen und in den Sand einschmiegt. Eine kleine Beule an der unteren Reifenflanke sollte erkennbar sein wenn man sich draufsetzt, dann ist der Druck perfekt für dieses Gelände. Joana prescht voraus, testet voller Freude die neuen Reifen auf dieser schon bekannten Nachtlager auf 2000 MeternHinein gehts in die Schluchten der AndenStrecke und stellt nach gefahrenen 30 Kilometern fest: “Das war doch beim letzten Mal nicht so einfach!?” Sie merkt hier in aller Deutlichkeit, was ich ihr schon seit einiger Zeit einzureden versuche. Sie ist mittlerweile eine verdammt gute Fahrerin geworden und braucht sich vor den meisten Anderen schon nicht mehr zu verstecken. Ohne Schwierigkeiten meistern wir den noch unbekannten Teil der Strecke mit abenteuerlichen einspurigen Tunnel ohne Ampel, Beleuchtung oder Asphalt. Die kurvigen Tunnel haben den besonderen Reiz, dass man nur wenige Meter weit schauen kann und darauf vertrauen muss,dass der Gegenverkehr die Hupsignale genauso beachtet, wie wir es tun.

Ewiger Schnee auf 4500 MeternFrisch wirds auf 4000 MeternAuch nachdem die schöne Piste vorbei ist halten wir uns fern von großen Straßen und schlängeln uns so immer näher an das kleine Städtchen Vicuna in der Piscogegend Chiles heran. In diesen trockenen Ausläufern der Atacama Wüste wird schon durch Nebelnetze und Wasserbecken alles an Flüssigkeit zusammengekratzt, was die trockenen Gegend zu bieten hat. Heraus kommen strahlend grüne Oasen, in denen das Nationalgetränk der Chilenen (und auch Hinein in die WolkenMineralien faerben die bunten Bergeder Peruaner) seinen Anfang nimmt. Pisco wächst hier unter der extremen Sonne und dem Föhn artigen Wind der Wüste. Vicuna ist aber inmitten der braunen Hügel nicht nur die Oase des Pisco, sondern wegen der Abgelegenheit und der guten Luft auch die Oase der Astronomen. Wir nehmen uns so auch eine Nacht Zeit die wunderbare Milchstraße der südlichen Hemisphäre im Observatorium Paso San Francisco Beweisbild “Mama Luca” zu beobachten. Unser englischsprachiger Pause am FelsenpanzerGuide des Vertrauens leitet unsere ganze vier Personen fassende Gruppe durch die vielen Sternenbilder und Formationen dieses Himmels. Wenn auch etwas touristisch aufgemacht ist diese Tour zumindest auf Englisch wegen der geringen Teilnahme und des sehr günstigen Preises zu empfehlen. Es war die kleine Pause vor dem Sturm des ersten echten Andenpasses Sicher vor Wind und SteinschlagSchneewaende tuermen sich auf man fragt sich wie es wohl hier im winter aussiehtfür uns zwei. Der Guide im Observatorium würde neidisch werden, denn jetzt wird die Gegend noch abgelegener und wir kommen den Sternen bald deutlich näher auf unserem hohen Weg zwischen den Gipfeln. Wir fahren ein, sich scheinbar endlos ziehendes, Tal gen Osten, während sich um uns herum die Felswände immer höher und höher in den Himmel schieben. Wir lassen diese Herausforderung ruhig angehen, mit        Und gut getarntAuch mit der Motivationgenügend Nahrung, Benzin und vor allem Wasser ausgestattet. Zu ruhig müssen wir leider feststellen, als wir um zehn Minuten nach Fünf am chilenischen Ausreiseposten stehen und feststellen, dass seit zehn Minuten die Schranke unten ist. Feierabend für heute. Naja dann wollen wir das mit der Akklimatisierung mal nicht so eng sehen und legen uns auf nur knapp über 2000 Metern zur Ruhe.  Mit der Grenze endet auch der Asphalt und am nächsten Morgen schrauben wir uns auf grobem Schotter immer weiter und weiter den Berg hinauf. Jedes Mal wenn man denkt, man müsste den Pass nun vor Augen haben, schiebt sich hinter der nächste Kuppe ein noch höherer Berg vor den Horizont. Die Piste zieht sich in unzähligen Kehren, eingerahmt von  Felsen in den schönsten Farben, durch die  atemberaubendste Berglandschaft, die ich bis heute bewundern durfte. Wir können es kaum fassen, als wir nach vielen harten Stunden unter hochfrequenter Atmung und leichtem Schwindel auf der Passhöhe ankommen: 4753 Meter! Nun gehts wieder runter. Der laengste Zeltaufbau der bisherigen ReiseDiesen Schotter faehrt sie mittlerweile wie Asphalt

 

Es geht  ganze 100 Meter hinunter ,als Joana plötzlich rechts ran fährt. Sie zeigt gute Selbsteinschätzung, als sie es gerade noch schafft den Ständer auszuklappen, bevor sie neben dem Motorrad liegt und ich ihr die Beine hochhalten muss. Das war wohl zu viel der Höhe. Trotz ruhiger Herangehensweise und sehr hoher Flüssigkeitszufuhr kann der Körper nur eine gewisse Höhensteigerung am Tag ertragen. Wir haben es mit fast 3000 Metern heute definitiv übertrieben.

Die Luft ist duenn doch es ist geschafft.Mit einsetzenden Kopfschmerzen geht es schleppend wieder herunter. Die einzige Lösung für unser kleines Höhenproblem ist die Tiefe. Bis auf 2800 Meter schaffen wir es noch abzufahren bevor die Lichter endgültig in den Notmodus schalten. Ich habe derart starke Kopfschmerzen, und normalerweise weiß ich nicht mal was Kopfschmerzen sind, dass ich eine Stunde brauche um das Zelt aufzubauen. Normale Zeit ist drei Minuten. Joana kann nur noch liegen. Alle Vitalzeichen kontrolliert und den Zucker gemessen, bin ich sicher das alles im grünen Bereich ist und wir können uns zur Ruhe legen.
Lernen durch Schmerz war das Motto dieses Passes. Den Nächsten lassen wir noch ruhiger angehen.
 
Die Zuflucht fuer die kalte NachtLeckere Spagetti mit Gemueseeinlage zur StaerkungEs geht am nächsten Morgen besser. Bei mir sind alle Symptome weggeblasen und Joana hat eher leichte Kopfschmerzen. Wir fahren nun durch die Ausläufer der argentinischen Pampa und bekommen zu spüren was Hitze hier bedeutet. Schön anzuschauen sind hier die Felsformationen und die Kakteen vor den hohen Gipfeln, doch mit den Temperaturen kommen wir Nachtlager am BergseeLetzte waermende Strahlen vor der Kaelte der Nachtnicht so recht klar. Tags geschätzte 40 Grad und nachts, was noch viel schlimmer ist, nicht unter 30. Wir reißen die drei Tagesetappen zum nächsten, noch längeren Paso San Francisco in zwei Tagen runter und beginnen die Akklimatisierung diesmal auf 3300 Meter in einem der vielen “Refugios” (Schutzhütte) des langen Anstieges zur Passhöhe. Der San Franzisco gilt als schwieriger Pass, da man ihn nicht einfach wie den Agua Negra an einem Tag fahren kann. Man ist

Paso del SicoTraditionelle Viehhirtenmehrere hundert Kilometer über der kritischen Höhe von 3500 Meter und hat bei auftretenden Problemen keine Möglichkeit der Abfahrt. Wir gehen selbstbewusst an die Sache heran. Ich vertraue auf mein Wissen über die Akklimatisation und auf mein Körpergefühl. Wir haben genug Vorräte und sind die Höhe zumindest schon etwas gewöhnt. Abgesehen von den Unzulänglichkeiten einer solchen Passüberquerung ist es eine wunderbare Grenzererfahrung. Ausgesetzt in einem

Unser Hexenhaus

 Aufwaermen mit der KoordinationsleiterDas Ofental aus schwarzem Fels weit über 40 Grad schon am Morgenunwirtlichen Gebiet weit abseits jeglichen Tourismus und Verkehrs und jeglicher Hektik, kommt man in sich zur Ruhe. Die Atmung wird mit den Höhenmetern etwas schneller, die Bewegungen etwas anstrengender. Es ist immer eine Gradwanderung zwischen zu langsamem und zu zügigem Vorankommen. Man muss seine Balance finden. Ich bin am allerwenigsten für diese Höhen gemacht mit meiner etwas angeschlagenen Lunge und gerade Der Incahuasi mit 6638 Metern hoechster aktiver Vulkan der WeltDie Bergkatze auf 4000 Metern an der Polizeikontrolledeshalb ist jeder Meter nach oben ein Triumph. Und es geht viele Meter nach oben und wieder nach unten und wieder nach oben. Endlos zieht sich dieser Pass in die Länge bis wir nach 630 Kilometern endlich wieder in den ersten Ort mit einer Tankstelle und einem kleinen Laden einlaufen. Die Maschinen haben wir so lange bei Saft gehalten,

Die Maschinen haben DurstErstes Hochplateau auf 3400 Meterindem wir uns bei der letzten Tankstelle in einen 5 Liter Trinkwasserkanister Benzin haben hineinfüllen lassen. Bei dem Traumverbrauch der beiden 190ccm Maschinen haben die paar extra Liter völlig ausgereicht um uns sicher wieder unter die nächste Zapfsäule zu bringen.

 

Erstmal Meditieren Blick auf das Tal des MondesDie Haut glaenzt weiss vor SalzSalzlagunen mitten in der Wueste die Lagunas Baltinache

Nun sind wir in der Wüste angekommen. Eine für mich schon etwas gewohnte, für Joana völlig neue Umgebung. Doch ist jede Wüste anders, wie ich schnell feststellen muss. Die Straßen gehen freilich auch hier schnurgeradeaus und bedürfen keiner weiteren Erwähnung. Hier jedoch gibt es in der Landschaft einige besondere, von der Natur und von Menschen geschaffenen, Phänomene. So schlafen wir die erste Nacht an einem großen, Nachtlager an dem PlattenrissDas Theater mit allen Utensilienauf den ersten Blick willkürlich in die Landschaft gebuddelten, Graben. Nachdem wir unser Zelt direkt daneben aufgebaut haben entpuppt sich dieser Graben als eine Erdbebenspalte mit endlos vielen Höhlen, weiteren Rissen und gefährlichen Einbrüchen. Auf einem nahegelegenen Hügel erkennt man, dass sich mehrere dieser Gräben bis

Die SchuleEiner der Zwei verrueckten Bewohnerzum Horizont ziehen. Sie entstehen hier scheinbar wo sich die Kontinentalplatten aufeinander schieben und verschiedene Gesteinsschichten sich treffen. Als wäre dieser Schlafplatz nicht unheimlich genug, verbringen wir eine der Folgenächte in einer ehemals 15000 Menschen fassenden Minenstadt. Es gibt keinen einzigen Einwohner mehr. Eine Der Supermarktvöllige Geisterstadt, jedoch durch die ewige Trockenheit noch wie am letzten Tag erhalten. Leeres Theater, leere Schule, leere Kirche, leeres Krankenhaus, leerer Supermarkt, leerer Spielplatz und ein leerer Dorfplatz. Seit vielen Jahrzehnten verlassen, hört man in der ganzen Stadt nur den Wind um die Ecken pfeifen und das Wellblech der Dächer klappern. Die staubigen Gassen werden immer dämmriger und die Schatten, der am Stadtrand liegenden Gerippe der Minentürme und Förderbänder, bedecken den Dorfplatz, während wir unser Zelt in der untergehenden Sonne neben dem Spielplatz aufbauen.

Schlafplatz am Straßenrandschoener KaktusStraße nach San Pedro

Nationalmonument Paposo Norte Schoene Piste einsame StraendeAbwaesser wurden nicht erst nach Verfall der Anlage ins Meer geleitet wie man an den alten Schlaeuchen erkenntDer saubere und sichere Transport per Bahn wurde dem dreckigen und gefährlichen aber billigen Transport per LKW geopfertNach dem letzten schönen Küstenstreifen am Pazifik kehren wir der Ostküste für einige Zeit den Rücken. Einen würdigen Abschied hat uns das Nationalmonument “Paposo Norte” beschert. Völlig unbekannt und doch unglaublich schön liegt es südlich von Antofagasta und durch die teilweise schwierige Sandpiste ist es

Die Kroenung der Verschmutzung Halb gefuellte Schwefelsaeuretanks sind mit der Zeit verrostet und haben ihren Inhalt ueber den Sand hinein ins Meer vergossenHochaetzende, Umweltschaedliche und mitunter toedliche Schwefelsaeure ist hier ind der Minengegend allgegenwaertigetwas abgelegen und man teilt die Küste im schlimmsten Fall gelegentlich mit einem Fischer.  Bei der weiteren Fahrt hinein in die Tiefen der Wüste halten wir immer wieder inne und uns fehlen die Worte, wenn wir in eine Gegend des Rohstoffreichtums kommen. Eigentlich eine beeindruckende Naturkulisse, kann man hier nur noch Schandflecke der Schwefelsaeuretuempel unter freiem Himmel dreckig aber guenstigStinkende Raffinerien und riesige Schrottplaetze vor Antofagasta der MinenhauptstadtMenschheit betrachten. Was Gier ohne Grenzen, Regeln und staatliche Kontrolle anrichtet bekommen wir hier leider mit aller Hässlichkeit vor Augen geführt. Immer dort, wo es etwas aus dem Boden zu holen gab oder noch gibt, finden wir eine Ansammlung an chemischem Müll, verwahrlosten Gebäuden und Schrott, soweit das Auge

Tagebautrucks in der AnlieferungTrucks in der Wartungreicht. Nicht nur um die Minen selbst, ob in Betrieb oder stillgelegt, sondern auch entlang der Zufahrtsstraßen zieht sich eine Kette der Verschmutzung, Vergiftung und Verwüstung. Ohne Worte! Wir wenden uns dem vermeintlichen Zentrum der Atacama, dem kleinen Städtchen San Pedro de Atacama, zu. Hier legen wir nach vielen

3 Tage entspannenJoanas erste DuenenwanderungKilometern mal wieder ein wohlverdientes Päuschen ein. Auf Luftkurorthöhe von 2500 Metern ist das Klima trotz des Wüstenstaubes sehr erholsam und vor allem nicht zu heiß. Wir quartieren uns auf Anraten einer coolen französischen Familie, die wir am Vorabend beim Wildcampen an einer der Salzlagunen kennengelernt haben, im Garten eines schmucken Hostels ein. Die Franzosen sind mit ihren beiden 8 und 11 Jahre alten Jungs ein Jahr in einem 30 Jahre alten Camper Van auf der Piste, um Südamerika zu erkunden. Wir haben natürlich gleich nebenan eine Boulangerie (frz. Bäckerei) und neben dem Frühstückscroissant gibt es zwei Blocks weiter geniale Mittagsmenüs. Guter Tipp! So erhole ich mich besonders gerne. Neben Essen und Klamotten waschen und einem bisschen Schreiberei tun wir hier nicht viel Konstruktives.

Alle Touren, die man hier machen kann ,sind touristisch überlaufen und sehr kostspielig. Die ganze Stadt ist auf Pauschaltourismus ausgelegt. Manch komische Leute lernt man hier kennen. Eine deutsche Bikerin haben wir getroffen, die uns stolz erzählt, sie umrunde alleine mit dem Motorrad die Welt. Überzeugt von ihrer 280 Kilo Triumph Tiger mit Touratech Vollausstattung denke ich mir, sie muss fahren können wie die Hölle, wenn sie damit um die Welt kommt. Was für eine Art Umrundung das wohl sein muss wird uns klar ,als sie die Spanisch sprechende, sehr nette und verständnisvolle Hausmutter den ganzen Tag auf Englisch zubrabbelt, bis diese uns fragt ,ob alle Deutschen so spanischresistent seien. Am Folgetag dachten wir, wir können uns mal auf ein Frühstück zusammensetzen, als sie wie ein Wirbelwind aus dem Hostel fliegt um irgendwelche Touristentouren zu buchen. Wir liegen noch satt vom Mittagessen aus der Straßenkneipe in der Hängematte, mein Spanisch übend ,beim Gespräch über Santiago mit einem dort wohnhaften Musiker, als sie wiederkommt und uns erzählt, sie habe jetzt mal eine Allradfahrzeugtour rüber nach Bolivien gebucht. Sie könne sich dann die Piste schon mal anschauen, bevor sie sich überlegt, ob sie die mit ihrem Bike fahren kann. So macht man das also mit diesen tollen Weltumrundungspanzern auf zwei Rädern. Man schaut sich das Gelände erstmal an. Warum man dann nicht gleich NUR mit einem Allradfahrzeug fährt und sich den Spaß mit dem Motorrad spart, kostet ja nur doppelt Sprit, ist mir schleierhaft. Hoffentlich kommt Touratech oder Triumph nie auf die Idee uns zu sponsern. Sonst werden wir womöglich in Zukunft noch mit dem Helikopter über die Pässe fliegen müssen um zu schauen ,ob das Wetter auf der anderen Seite gut ist, bevor wir noch wegen Feuchtigkeit einen Rutscher riskieren und unversehens und unwiederbringlich unter einer halben Tonne Plastik und Metall begraben werden.

Auslaeufer der Anden vorm Paso San FranciskoChefkoch am WerkGeologisch interessant wie die Felsen sich senkrecht in den Himmel schiebenRaus aus diesem schönen Nest mit seinen gemütlichen Straßen und seinen anziehenden Cafes, hinein ins Nirgendwo zwischen Chile und Argentinien. Wir haben gut eingekauft und sind für einige Tage unabhängig. Wir haben mal wieder keinen Plan wo wir heute Abend schlafen und das ist gut so. Ohne Druck fährt es sich am besten. Grob wollen wir nun über den Paso Sico, mit seinen 4300 Metern für uns nicht mehr so fordernd wie die zurückliegenden Pässe. Nach zwei Stündchen Fahrt und ein paar Empanadas (fleischgefüllte Teigtaschen die hier an jeder Ecke günstig sättigen) hört der Asphalt auf und wir graben uns mal wieder durch mäßigen Schotter, meist etwas Salzlagunen in Atemberaubender Felskulisse am Paso del Sicozu tief für angenehmes Fahren, weiter die Hänge hinauf durch schöne Täler, vorbei an weißen Salzlagunen. Wir wundern uns zusehends, dass uns hier niemand den Pass stempeln will, als wir gegen Nachmittag an ein paar Leere Gaenge an der GrenzeLamas auf der Argentinischen SeiteGebäuden, mittlerweile schon auf argentinischer Seite, auf 4200 Meter Höhe halt machen. Tatsächlich ist dies hier ein einmaliger Grenzübergang mit einer Kooperation zwischen Argentinien und Chile. Zwei Länder, eine Grenzstation. Als wir die Station betreten ist niemand anwesend, die Rechner sind ausgeschaltet, die Lampen auch. Wir sind wohl zu spät. Plötzlich kommt nach einigen Minuten eine Polizistin um die Ecke und schaut uns verwundert an. Was wir hier wollen? Argentinien lautet unsere einfallslose Antwort. Ahhh, Si! Sie verschwindet. Aus allen Löchern kommen plötzlich kleine uniformierte, teilweise verschlafenen Männchen angewatschelt. Die Grenze ist offen, alle sind da, nur will hier scheinbar nie jemand rüber. Die Rechner werden hochgefahren, die Lampen angeschaltet, es kann losgehen. So verschlafen die Beamten sind, so gründlich sind sie auch und fragen uns nach einem Dokument ,welches wir scheinbar noch nie gebraucht haben. Irgendeine Ausreiseerlaubnis für unsere Bikes. Haben wir nicht, die haben gestreikt in Santiago ist unsere Standardausrede. Langes Hin und Her, Diskussionen, dann betretenes Schweigen. Dann erneute Diskussion unter den Grenzbeamten. Naja die sind doch ganz sympatisch und bemühen sich auf Spanisch, stellen wir ihnen  doch einfach ein neues Dokument aus. Es wird schon stimmen was die erzählen. Nach 15 Minuten haben wir eine temporäre Ausreisegenehmigung für beide Bikes, ohne Datum darauf. Also temporär ewig gültig. Na das nenne ich doch mal einen Freifahrtsschein! Auf gehts nach Argentinien und von dort aus in den Rest der Welt. Die Bikes sind frei! In einem Hochgefühl legt sich besonders Joana ins Zeug und übertrifft sich wieder einmal selbst. Am Ende des Tages haben wir 350 Kilometer abgerissen. Große Teile davon waren sehr windig und über 200 Kilometer davon Schotter mit gelegentlich sehr unangenehmen Wellblechpisten. So kann das doch weitergehen. Nächste Etappe: Rio de Janeiro!

Mal wieder durch die abwechslungsreiche Pampa

Absolute Einsamkeit