Auf den Spuren von El Che

001 Unser Hotel in Kolumbien002 PastoOhne offizielle Einreiseerlaubnis und ohne Stempel im Pass in Kolumbien. Sozusagen illegal. Ich habe noch genug Adrenalin intus von der Grenzüberfahrt, als der Polizist der Polizeikontrolle 20 Kilometer später die Hand hebt. Das Herz schlägt mir bis zum Hals. Kurz schließe ich die Augen und atme tief durch, doch als ich sie wieder aufmache, sehe ich wie der Polizist uns freundlich grüßt und einfach vorbei winkt. Glück gehabt. So geht es uns auch bei den darauf folgenden Kontrollen und wir kommen unbehelligt in Pasto 80 Kilometer hinter der Grenze an. Geschafft. In einem günstigen Hotel lassen wir uns für ein paar Tage nieder. Die Leute sind alle sehr nett und hilfsbereit. Dank eines Mechanikers um die Ecke haben wir in kürzester Zeit zwei neue Vorderreifen und zwei neue Ketten für unsere Bikes zum spottbilligen Preis.

003 Schlange an der ecuadorianischen Grenze Gut dass wir uns da nicht anstellen muessenHin und her überlegen wir nun ob wir noch weiter nördlich in Kolumbien fahren sollen oder ob es besser ist umzudrehen. Das Land und die Leute gefallen uns bis jetzt sehr, aber der fehlende Stempel im Pass könnte uns vielleicht tatsächlich zum Verhängnis werden. Ausschlaggebender Punkt ist dann aber letztendlich doch die Zeit, die uns etwas im Rücken sitzt. Auf dem Rückweg durch Ecuador, Peru und Chile wollen wir noch einiges sehen und, um uns dort nicht hetzen zu müssen, entscheiden wir uns zurück Richtung Süden zu fahren. Kolumbien steht aber auf jeden Fall auf der Liste für spätere Reisen. Aufregung macht sich bei mir wieder breit, schließlich müssen wir uns genauso über die Grenze zurück schmuggeln, wie wir her gekommen sind. Die Rückfahrt erweist sich aber als problemlos, hinter einem großen Lkw drücken wir uns an den Kontrollen der kolumbianischen Seite vorbei. Auf dem Parkplatz auf der ecuadorianischen Seite wird kurz angehalten und ganz cool ein Apfel gegessen, um der Kontrolle aus dem Weg zu gehen. Dann huschen wir schnell runter vom Parkplatz rauf auf die Straße, werden 100 Meter weiter vom Polizist noch freundlich gegrüßt, und zurück sind wir in Ecuador. Ein bisschen traurig bin ich, so wenig von Kolumbien gesehen zu haben, aber irgendwann ist die Zeit halt doch gekommen, an der man so langsam ans heimwärts fahren denken muss.

005 Entspannung in Ibarra

004 Treffen mit Nora und Pablo in Ibarra006 Abschied von Nora und Pablo in IbarraWir steuern die Finca Sommerwind in Ibarra an, ein von einer deutschen Familie ins Leben gerufener Campingplatz. Als wir ankommen ist auch fast der ganze Platz voll mit Wohnmobilen aus Deutschland und der Schweiz. Eigentlich meiden wir solche Plätze, denn in Kontakt mit Einheimischen kommt man hier nicht, aber wir sind verabredet. Nach längerem Emailkontakt treffen wir hier endlich die beiden Motorradfahrer Nora und Pablo aus der Schweiz. Genauso wahnsinnig wie wir haben auch die beiden kurz nach der Regenzeit die Schlammpiste der BR 319 in Brasilien bezwungen. Auf Anhieb verstehen wir uns sehr gut und verbringen zwei Tage gemeinsam in Ibarra. Nachdem wir jede Menge Motorrad- und Reiseinfos ausgetauscht haben, geht es für die beiden Richtung Kolumbien und für uns wieder Richtung Süden.

008 Quito

007 Quito009 Rund um die Papallacta ThermenNach einem kurzen Abstecher nach Quito, führt uns unser Weg wieder in die Wildniss. Hier fühlen wir uns doch einfach wohler als in den Städten. Wir besuchen die Papallacta Thermen, wo wir es uns den ganzen Tag in den heißen Quellen gut gehen lassen und außerdem die ganz seltenen Andenbären sehen. Anschließend geht es auf die Vulkanroute. Beide freuen wir uns auf den Cotopaxi Nationalpark. Dort 010 Andenbaeren011 Papallacta Thermenwollen wir zwei Tage campen und bis zum Basislager auf 4900 Meter hoch laufen. Am Eingang dann der Dämpfer: Motorräder sind verboten in diesem Park! Sowas haben wir ja noch nie gehört! Begründet damit, dass einheimische Motocross-Fahrer den Boden kaputt fahren, lässt der Ranger nicht mit sich reden. Wir dürfen nicht rein. Das lassen wir uns nicht gefallen und suchen alternativ nach einem 013 Cotopaxi Vulkan012 Vulkane Ecuadorsanderen Eingang, aber dieser Park ist umzäunt wie ein Hochsicherheitsgefängnis. Beim letzten Versuch nach Feierabend der Ranger spät abends einfach so reinzufahren, werden wir sofort von einem plötzlich auftauchenden Rangerauto verfolgt. Frustriert drehen wir rum und bauen unser Zelt etwas außerhalb vom Park auf. Sowas diskriminierendes haben wir noch nicht erlebt. Noch dazu, weil 015 Vulkane und Vicunas016 Alpakas saumen das Bild ueberall in den AndenReisemotorräder und Motocrossmaschinen ein riesiger Unterscheid sind, und wir mit unseren kleinen Kisten sicherlich nichts kaputt fahren werden. Am nächsten Morgen dann die Rache. Frühs um sechs fährt Josh los - ohne Gepäck, da ist er unschlagbar. Mehr im Flug als im Fahren schießt er am Eingang vorbei, hupend als kleine Provokation, hoch bis zum Vulkan. Natürlich wird er wieder verfolgt, aber er ist viel schneller. Er kann oben angekommen sogar in Ruhe den Ausblick genießen und darüber lachen, wie er die Rangerautos langsam hoch kommen sieht. Bevor sie bei ihm sind, dreht er rum und fährt in der gleichen Geschwindkeit wieder an ihnen vorbei und winkt ihnen dabei noch freundlich zu. Sie sind außer sich vor Wut. Das war unsere Retourkutsche für diese unsinnige Regel. Beruhigt und zufrieden kann es nun weiter gehen.

014 Cotopaxi morgens um sechs

017 Die kleine Greta018 Soeren Jenny Greta und wirKurz bevor es zurück nach Peru geht, treffen wir nochmals unsere Freunde Sören und Jenny mit der kleinen Greta. Sie freuen sich sehr, dass wir uns nochmal sehen. Zwei schöne Tage verbringen wir mit den dreien am Meer. Während Sören und Josh mit Leder werkeln, habe ich meinen Spaß mit Greta, indem wir den halben Tag das Meer hoch und runter laufen und Wellen beobachten. Leider haben wir noch eine 019 Greta faehrt MopedVerabredung in Guayaquil und können deshalb nicht länger bleiben, aber ungefähr zur selben Zeit werden wir alle zurück in Deutschland sein und uns möglichst bald wieder sehen.

In Guayaquil treffen wir uns mit Christian und seiner Freundin Kati. Christian020 Christian und seine Freundin in Guayaquil ist der Sohn eines Arztes, zu dem Joshua während unseres letzten Besuches gehen musste. Er selbst ist auch Arzt. Schon das letzte Mal wollte er uns unbedingt treffen, dieses Mal klappt es dann endlich. Die beiden laden uns zum Essen ein und anschließend schlendern wir durch die Nacht. Dabei erzählt Christian, dass er gerne nach Deutschland kommen möchte, um dort zu arbeiten. Schnell ist der Kontakt zur Gemeinschaftspraxis Großkurth hergestellt, und sobald mit dem Visum alles in trockenen Tüchern ist, kann Christian dort vielleicht ein Praktikum machen. Er freut sich riesig und bedankt sich tausend Mal. Für ihn wäre das ein leichter Einstieg in das deutsche Arbeitsleben und für uns ein weiteres Wiedersehen mit einem neuen Freund.

021 Muellberge in Peru022 Wueste in PeruEs heißt schließlich Abschied nehmen von Ecuador. Beide haben wir das ziemlich lange hinausgezögert, denn auf Peru haben wir nach den letzten Erlebnissen dort nicht wirklich Lust. Aber es hilft nichts. Um nach Bolivien zu kommen, worauf wir uns sehr freuen, muss man halt einfach durch Peru durch. Wir entscheiden uns für eine sehr kleine Grenze an der Küste. Schnell haben wir dann auch unseren Einreisestempel und der Mann beim Zoll ist scheinbar so fastziniert von einer Motorrad reisenden Frau, dass er innerhalb von zehn Minuten und mit einer überschwänglichen Freundlichkeit mit dem Papierkram fertig ist und uns sogar ohne Versicherung fahren lässt. Nach dem coolen Auftakt wendet sich das Bild dann aber schnell. Die Straßen werden schlecht, der Verkehr wahnsinnig und überall liegt Müll. Willkommen in Peru. Unsere Laune sinkt. Wir entscheiden, so schnell wie möglich duchzufahren durch dieses Land und fahren auf der Panamericana, der ""Touristenstraße". Im Norden Perus ist diese aber so gut wie gar nicht ausgebaut und wir sind gefangen zwischen Schlaglöchern, Lkws und Abgasen. Am zweiten Tag lassen wir dieses Chaos endlich hinter uns und die Straße wird mehr oder weniger zur Autobahn. Wir fahren an der Küste entlang in die Wüste. Und fahren... und fahren...und fahren. Insgesamt sehen wir vier Tage nichts groß anderes als Sand und Wasser. Nachdem ich meine Gedanken von links nach rechts und von oben nach unten gedreht habe, sitze ich am dritten Tag auf meinem Sam und weiß nicht mehr was ich denken soll. Mir wird zum ersten Mal so richtig bewusst, wie groß dieser Planet eigentlich ist. Man fährt und fährt und hat doch "nur" 2000 Kilometer geschafft. Während ich also ziemlich resigniert auf dem Bike sitze und trostlos geradeaus starre, fängt mein Blick auf der anderen Fahrbahn vor uns und uns entgegenkommend etwas ziemlich Bekanntes ein. Ein für Peru ziemlich großes Moped mit einem, mit den Peruanern verglichen, ziemlich großen Fahrer darauf. Sein graues Haarzöpfchen flattert im Wind. Das kann doch nur einer sein - Gerd! Da kommt er uns einfach auf 024 Panamericana in Peru Richtung Sueden023 Unverhofftes Treffen mit Gerddiesem riesigen Kontinent entgegen gefahren! Genau an einer Stelle auf der Panamericana, an der man die Fahrbahnen leicht wechseln kann. Hätten sich unsere Wege ein bisschen vorher mitten in Lima gekreutzt, hätten wir ihn durch die riesigen aus Beton gefertigten Fahrbahnbegrenzungen niemals gesehen. Die Welt ist so klein! Hupend und lachend winken wir uns zu, er dreht und zehn Minuten später sitzen wir im nächstbesten Cafe und er gibt ein Frühstück aus. Zwei Stündchen sitzen wir dort und schwatzen über Gott und die Welt. Dann wollen wir aber alle weiter, wir nach Süden und Gerd weiter nach Norden. Ein schöner Lichtblick im tristen Peru war das. Wer weiß wo wir uns das nächste Mal unverhofft treffen, vielleicht in Asien?

025 Letzte Nacht in Peru

026 In den Bergen Perus027 Grenze Peru Bolivien Faehrueberfahrt ueber den TiticacaseeSo froh bin ich, als wir endlich die Küste verlassen und einmal quer durch Peru in die Berge fahren. Schnell sind wir auf 4000 Metern, außer leichten Kopfschmerzen ist keiner höhenkrank und schließlich erreichen wir nach sieben Tagen den Titicacasee, der Peru und Bolivien voneinander trennt. 3200 Kilometer sind wir in nur sieben Tagen gefahren, unsere bisherige Bestleistung. Rücken und Nacken schmerzen, die Arme sind schwer und ich wundere mich tatsächlich, dass mein Po noch die 030 Unser Lieblingsitaliener Marcello Kopiegewohnte Form hat. Aber beim Blick auf den See mit den Bergen dahinter ist das alles vergessen. Früh morgens fahren wir an die Grenze, sind fast die ersten und in einer halben Stunde haben wir alle Formalitäten hinter uns. In Copacabana setzen wir uns als erstes in ein Restaurant am See und gönnen uns einen Kaffee. Wir sind zurück in Bolivien! Dem Land, welches uns bisher am besten gefallen hat. Eine müllfreie Landschaft und nur nette Menschen empfangen uns. Ungefähr sechs Wochen haben wir noch Zeit, um das Land in vollen Zügen zu erkunden. Selten habe ich mich tatsächlich so gefreut endlich ein anderes Land zu betreten. Die 100 Kilometer nach La Paz sind schnell gefahren, nach der letzten Woche kommt es mir vor wie im Flug. Trotz dass es mitten in der Woche ist, ist der Verkehr in der Stadt annehmlich und ich muss keine mehrfachen Tode sterben. Als wir vor unserem Campingplatz stehen, auf dem wir schon das letzte Mal eine schöne Woche verbracht haben, und der Chef Rolando die Tür öffnet, freut er sich riesig uns wiederzusehen. Er heißt uns herzlich willkommen, wir sollen uns wie zu Hause fühlen und können so lange bleiben wie wir möchten. Diese Gastfreundschaft habe ich vermisst! Abends essen wir Pizza bei unserem Lieblingsitaliener Marcello um die Ecke, der sich auch sehr über das Wiedersehen freut. In dieser Nacht schlafe ich so glücklich und entspannt ein, wie schon länger nicht!

028 Kurz nach der Grenze Beste Aussicht auf den Titicacasee in Bolivien

029 Treffen mit Consti in La Paz031 URoland laesst uns nur ungern fahrenEinige Tage gönnen wir uns Pause in La Paz. Unter anderem treffen wir uns noch einmal mit unserem Freund Constantin. Für ihn ist das Jahr Freiwilligendienst nun auch vorbei, er fliegt bald zurück nach Deutschland. Alle drei müssen wir feststellen, dass das Leben zu Hause ein völlig anderes wird als hier. Wir haben uns an die Kultur und die Bräuche hier so gewöhnt, dass es in Deutschland sicherlich erstmal eine Umstellung wird. Für Constantin, der ein komplettes Jahr in Bolivien gelebt habt, am schwersten. Trotzdem freut er sich aber auch auf zu Hause und sein dann beginnendes Physikstudium.

Es heißt schließlich Abschied nehmen von La Paz. Wir sind gespannt auf den Rest von Bolivien, die Menschen, die Kultur und die Landschaften. Dennoch wird mir auch schwer ums Herz, kommen wir doch diesmal nicht wieder zurück. Rolando drückt uns gefühlte zehnmal zum Abschied, bevor er uns fahren lässt. Wir sollen doch unbedingt irgendwann nocheinmal wieder kommen!

032 Aussicht auf den Sajama Vulkan033 Unser Camp im Sajama NationalparkEs zieht uns, wie sollte es anders sein, zuerst wieder in die Wildniss. Wir fahren gen Süden in den Sajama Nationalpark. Drei wunderschöne Vulkane fallen ins Blickfeld, jeder über 6000 Meter hoch. Sie stechen majestätisch aus dem Rest der sandigen, von Lamas und Alpakas bewohnten Hochebene hervor. Auf 4400 Metern bauen wir unser Zelt auf, bisheriger Höhenrekord. Mit bestem Blick auf den Sajama Vulkan wachen wir 034 Der Geysir035 Eier kochen im heissen Wassermorgens auf und Lamas tapsen neugierig hinter dem Zelt entlang. Freiheit pur. 100 Meter weiter befinden sich heiße, naturbelassene Quellen. Einfach Löcher im Boden mit heißem Wasser. Die meisten davon sind allerdings kochend heiß. Baden kann man in ihnen nicht, aber zum Eier kochen eignen sie sich hervorragend! Zwei kleine Geysire, die ruhig vor sich hin blubbern, gibt es auch. Ein Stückchen weiter dahinter fließt ein kleiner Bergfluss. Durch den Mix von seinem kalten Wasser und dem heißen Wasser der Quellen nebendran hat er eine angenehm warme Temperatur. Hier lässt es sich aushalten! Stundenlang kann man dort liegen bleiben, während das vorbeifließende Wasser leicht die Haut streichelt. Ich kann sogar gleichzeitig baden und das Geschirr spülen! Während ich so sitze, spüle und meinen Gedanken nachhänge, sehe ich im Augenwinkel etwas braunes auf mich zukommen. Im selben Moment brüllt Josh "Raus, weg hier!" Bevor ich richtig begreifen kann, was passiert ist, bin ich schon in Sekundenschnelle aus dem Wasser gesprungen und den Hang runter gerannt, um von dort auf die andere Seite des Flusses zu springen. Da ist dieser Geysir doch tatsächlich ausgebrochen! Es gab keine richtige Wasserfontäne, aber ohne jegliche Vorwarnung hat er einfach ein paar Wellen siedend heißes Wasser ausgespuckt, welches dann zu uns in den Fluss gelaufen kam. In kürzester Zeit wird das Wasser dann sehr heiß, was Verbrennungen mit sich bringen kann. Gut, dass wir so schnell reagiert haben. Außer einem aufgeschnitten Fuß und einem ordentlichen Schreck ist Gott sei Dank nichts passiert. Unsere Handtücher und Kochtöpfe sind kurz völlig verschwunden und wir denken schon, der Fluss hat sie mit sich weggespült. Aber als der Geysir sich nach ein paar Minuten wieder beruhigt hat, finden wir alles am Grund des Flusses wieder. Nur einen Flip-Flop mussten wir einbüßen. Glück gehabt. Vom Baden haben wir an diesem Tag erst mal die Nase voll.

036 Beste Aussicht auf den Sajama Vulkan037 Wider erwarten gute StrassenDa wir eine Einladung in Santa Cruz haben, machen wir uns nach drei Tagen wieder auf den Weg. Wir planen etwas mehr Zeit ein hier auf der Hochebene und rechnen mit Schotterpisten. Schnell stellen wir aber fest, dass die komplette Straße erst kürzlich neu asphaltiert wurde. Offiziell geöffnet ist sie noch nicht, aber mit einem Moped kann man dort bedenkenlos lang fahren. So sind wir für 200 Kilometer fast die einzigen auf dieser Straße, die sich zwischen den Bergen entlang schlängelt und uns wunderschöne Aussichten auf weitere Vulkane oder Täler bietet. Es scheint wirklich aufwärts zu gehen in Bolivien, seit im Jahr 2006 zum ersten Mal Evo Morales zum Präsident gewählt wurde. Mit ihm, als erster indigener Präsident Boliviens, endete die Militärregierung. Er befindet sich jetzt bereits in seiner dritten Amtszeit mit großem Zuspruch der Bevölkerung. Überall werden die Straßen neu gemacht, neue Gebäude errichtet und wir haben das Gefühl, die Menschen hier sind in einer Hochstimmung. Als wir im nächsten kleinen Ort etwas zum Mittagessen suchen und einen Anwohner fragen, wird erst mal über Gott und die Welt geredet. Wo wir her kommen, wo wir hin wollen, wie es uns geht und ob wir irgend etwas brauchen, das gehört hier einfach zur Freundlichkeit und gutem Stil. Als wir dann schließlich weiter fahren, wünscht uns der nette Herr eine gute Reise, alles Gute, Friede für unser Land und Gottes Segen für uns und unsere Familie. Solch eine Freundlichkeit Fremden gegenüber haben wir auf unserer Reise tatsächlich nur in Bolivien erlebt. Egal wo man hinkommt, man ist immer herzlich willkommen, die Menschen möchten einem trotz ihres eher ärmlichen Lebens immer helfen. Da kann sich so manch anderes Land eine Scheibe dran abschneiden, Deutschland eingeschlossen.

038 Santa Cruz039 Josh und ShieraWir fühlen uns so wohl in Bolivien, dass das Fahren fast wie von allein geht. An Oruro und Cochabamba fahren wir relativ zügig vorbei, wovon besonders Oruro nicht die schönste Stadt ist. Die Straße schlängelt sich ewig durch die Berge und das Fahren ist beschwerlich, da fast alles Baustelle ist. Schließlich führt sie ins Tal, die Baustellen werden weniger und die Straßenqualität besser. Von 4500 Metern sind wir auf 500 Meter 040 Spass mit Sephie im Pool041 Sephierunter gefahren. Der Klimaumschwung macht uns träge, soviel Hitze sind wir nicht mehr gewöhnt. In einer Nacht hatten wir in den Bergen ca. -15 Grad Celsius, während uns hier 35 Grad um die Nase wehen. Froh sind wir deshalb als wir in Santa Cruz ankommen und bei Robert und Shiera vor der Tür stehen. Die beiden sind Freunde von Georg und Leila, die Josh damals im Kongo kennen gelernt hat. Als sie hörten, dass wir in 042 Santa Cruz043 Die Schule in der Robert und Shiera arbeitenBolivien unterwegs sind, haben sie uns sofort eingeladen, wir sollen doch unbedingt vorbei kommen. Vor zwei Monaten sind sie aus dem Kongo mit ihrer Tochter Sephie nach Santa Cruz gezogen, da sie hier einen Job an einer internationalen Schule gefunden haben. Vom ersten Moment an sind wir herzlich willkommen und ein Teil der Familie. Wir bekommen ein Zimmer, den Hausschlüssel und sollen uns fühlen wie 043 Gemeinsames Pizza machen bei Robert und Shiera in Santa Cruz045 Robert Shiera Sephie und wirzu Hause. Dankend und gerührt über das Vertrauen, das sie uns entgegen bringen, nehmen wir dies an. Schließlich sind wir ja eigentlich völlig Fremde. Schnell werden wir aber zu Freunden. Es wird zusammen gekocht, abends in die Stadt gegangen oder einfach nur geredet. Sephie hält uns auf Trab, sie freut sich zwei neue Spielkameraden in uns gefunden zu haben. Nachdem Josh stundenlang das Schweinchen in der 047 Abschiedsgeschenk von SephieMitte für Sephie und mich gespielt hat, ist er es an diesem Abend, der tief schlafend im Bett liegt, nicht Sephie. Nach einer Woche heißt es dann aber Abschied nehmen, auch wenn es schwer fällt. Besonders Sephie ist traurig. Als Überraschung hat sie uns ein kleines Buch gebastelt, sodass wir sie immer in Erinnerung haben.

 

 

 

048 Kapitaen Joshua bringt uns sicher ans andere Ufer049 Wir fahren Richtung La Higuera in die Berge050 Auf der Route von CheWir begeben uns auf die Spuren von Che Guevara. Der Revolutionär wurde vor genau 50 Jahren in Bolivien erschossen, in dem kleinen Bergdorf La Higuera. Der Weg dorthin ist abenteuerlich, von Asphalt keine Spur und die Straße ist eher ein Pfad voller Sand und Steine. Wir genießen die Weite der Landschaft, die Ruhe und die verschiedenen Gerüche. Erst jetzt merken wir wie sehr uns das alles in der 051a Auf der Route von Che051 Auf der Route von CheStadt gefehlt hat. Die Piste erreicht ihren Höhenpunkt, als wir an einen Fluss gelangen. Trotz Trockenzeit führt der einiges an Wasser, sodass wir nicht einfach mit den Mopeds durchfahren können. Am anderen Ufer liegt eine uralte Holzfähre, aber von einem Fährmann ist weit und breit nichts zu sehen. Überhaupt sind wir seit 50 Kilometern die einzigen Menschen weit und breit. 45 Grad im Schatten sind es, 052 La Higuera053 Das Che Museumder heiße Wind setzt uns schwer zu und ohne Fährmann sitzen wir wohl fest. Denke ich... Aber ehe ich mich versehe, springt Josh ins Wasser, schwimmt auf die andere Seite und ernennt sich zum neuen Kapitän. An dem über dem Wasser hängenden Drahtseil zieht er die Fähre gekonnt zu mir auf die andere Seite. "Was so ein Fährmann kann, kann ich auch!", ruft er mir lachend entgegen. Schnell sind die Mopeds 054 Josh und Jacque055 La Higueraverladen und zusammen schippern wir auf die andere Seite. Ein bisschen Bedenken habe ich ja beim Anblick der morschen Holzbalken, aber alles geht gut und wir kommen unversehrt auf der anderen Seite an. Das hat Kapitän Joshua gut gemacht. Uns kann so schnell nichts aufhalten! Der Pfad schlängelt sich schließlich endlich in die Berge , wo es kühler und die Luft besser wird. Von 0 auf 3000 Meter auf einer 056 Campingplatz in La Higuera057 Offroadpiste bei La HigueraOffroadpiste, das strengt schon an, aber die Ausblicke und die Abgeschiedenheit machen alles wett. Hier fühlen wir uns wohl. In La Higuera angekommen, bauen wir unser Zelt im Garten einer französischer Familie auf. Ihr siebenjähriger Sohn Jacque ist sofort Feuer und Flamme und führt uns im Ort umher. Hier dreht sich alles um Che. Es gibt mehrere Statuen, auf jeder Wand sind Sprüche oder Gemälde von ihm und schließlich stehen wir in der ehemaligen Schule, in der er schließlich erschossen wurde. Ein merkwürdiges Gefühl. Heute ist es ein Musuem. Schön dekoriert wird hier die Geschichte von Che nochmals beschrieben. Mit seinen sieben Jahren kann Jacque uns jede Menge über ihn erzählen. Er berichtet außerdem ganz aufgeregt, dass am Wochenende anlässlich des 50. Todestages von Che Feierlichkeiten statt gefunden haben. Der Präsident Evo Morales wäre sogar da gewesen. "Ich hab ihm salutiert!", erzählt Jacque und wird vor Stolz glatt fünf Zentimeter größer. Schon interessant, dass diejenigen, die ihn damals erschossen haben, sich heutzutage damit brüsten und Feierlichkeiten abhalten. Sein Ziel Südamerika zu befreien, hat Che wegen seines Todes nicht erreichen können, und viele eh schon reiche Menschen, allen voran die Amerikaner konnten sich weiterhin an den Bodenschätzen und der Wirtschaft Südamerikas bedienen.

Unser Weg führt uns weiter nach Sucre. Am Weg dorthin werden wir ein weiteres Mal positiv von der bolivianischen Gastfreundschaft überrascht. Mittag essend sitzen wir in einem der kleinen Bergdörfer in einem Lokal und ich falle mit meinen blonden Haaren mal wieder auf wie der Leuchtturm in den Bergen. Toursiten hat man hier noch nicht so oft gesehen. Die Einheimischen schauen interessiert, ansprechen tun sie uns aber nicht. Plötzlich steht aber ein Mann mit freudestrahlendem Lächeln vor uns. Woher wir kämen, wohin die Reise ginge, das kennen wir ja schon. Er legt aber noch eins drauf. Er entschuldigt sich dafür, dass die Bolivianer eher zurückhaltend sind und dass das auf uns eventuell negativ wirken könne. Das wäre aber natürlich nicht so, wir seien herzlich willkommen. Zum Abschied schenkt er uns Bonbons und drückt mir einen dicken Kuss auf die Hand, bevor er genauso schnell wieder verschwindet, wie er gekommen ist. Verblüfft schauen wir uns an. Ist uns das schonmal zu Hause passiert? Nein, niemals. Mit einem Lachen auf den Lippen steige ich anschließend wieder auf mein Motorrad. Mit welch kleinen Gesten man es doch schafft, anderen den Tag zu versüßen.

059 Sturm vor Sucre060 Hagelmatsch in Sucre50 Kilometer vor Sucre fahren wir in eine schwarze Wolkenwand. Regen hatten wir ja schon lange nicht mehr und eigentlich ist auch Trockenzeit! Außer ein paar kleinen Regentropfen bleiben wir aber Gott sei Dank verschont. Dafür dann großes Staunen, als wir nach Sucre rein fahren. Matschberge türmen sich auf der Straße, Wasserlachen erschweren das Fahren und fünf Kilometer weiter ist 061 Sucre062 Die Bikes bekommen den letzten Schliff in Sucreplötzlich alles weiß von Hagel und Schnee! Hier hat ein großer Sturm gewütet. Dass das nicht oft vorkommt, sehen wir am Verhalten der Einwohner. Staunend stehen sie vor ihren Türen, manche machen sogar Fotos von sich und den weißen Wiesen im Hintergrund . Amüsiert betrachten wir das bunte Treiben, bis Joshua schließlich den Spaten in die Hand nimmt, um einen freien Gang für die Mopeds zu unserem Hostel zu schippen. Am nächsten Tag ist Gott sei Dank wieder bestes Wetter. Bolivien ist immer wieder aufs neue für Überraschungen gut. In Sucre bekommen die Bikes nochmals eine gründliche Wäsche, denn unsere letzte große Etappe steht bevor: Die Fahrt nach Uyuni und in die größte Salzpfanne der Welt. Die Mopeds werden eingeölt, um sie vor dem vielen Salz zu schützen, und mit ausreichend Wasser und Ersatzbenzin im Kanister beladen. So sind wir unabhängig für 700 Kilometer und können uns in die raue Berglandschaft im Süden Boliviens begeben. Sehr gespannt sind wir auf all die Eindrücke dort, aber auch etwas traurig. Mit der Fahrt durch die Lagunen Boliviens und der Rückkehr nach Chile rückt nämlich das Ende unserer Reise in greifbare Nähe.

058Typischer Bolivianer