Chiles Fjorde

 Traumhafter Ausblick und traumhaftes Wetter

Nach den ruhigen, gemütlichen Weihnachtsfeiertagen in Ushuaia geht es wieder Richtung Norden. Schön wars, am Ende der Welt, doch freuen wir uns nun wieder auf wärmere Gefilde. Alter! Warte mal! ich kann nicht so schnellIch bin ganz nah dranEin Platz direkt am MehrAuf dem Weg nach Puerto Natales erwartet uns noch ein Höhepunkt. Bei Porvenir hat sich vor ein paar Jahren eine Königspinguin-Kolonie angesiedelt. Der Landwirt, dem dieses Land gehört, hat sich da mal soeben gedacht, er macht einen Park daraus, baut ein paar Wände aus Spanplatten zum Durchschauen und nimmt Eintritt dafür.Pinguine unter sichaPinguine unter sich2 Ich will aber unbedingt Pinguine sehen und so nehmen wir den Preis dafür, ungefähr 15 Euro pro Person, in Kauf. Dort angekommen freue ich mich dann wie ein kleines Kind, sie sind ja so süß! Wie sie herum watscheln und dabei ihre Köpfe von links nach rechts wackeln, allerliebst. Es ist die einzige Königspinguin-Kolonie in Chile, der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Pinguine ganz nah
Ankert schon laengerEssen gut, Laune gutFlamingos und dieses Mal nicht im ZooWir entscheiden uns auf halber Strecke nach Puerto Natales, mit einem Schiff Richtung Norden zu fahren. Wir haben die Nase voll von der Kälte und vor allem dem Wind, der mit den Bikes spielt wie mit Wollmäusen. Eigentlich wollen wir die Fähre nach Tortel nehmen, dem südlichsten Zipfel der Careterra Austral, aber es stellt sich heraus, dass die nächstmögliche Fähre voll ist. Die darauf Folgende legt erst in einigen Tagen ab, zu spät für uns. Also entschließen wir uns, mit einer anderen Gesellschaft, der Navimag, direkt nach Puerto Montt zu fahren, obgleich sie sich das gut bezahlen lassen. Die Fahrt mit der Fähre dauert drei Tage. Wir bräuchten bestimmt fast zwei Wochen für diese Strecke und wenn man Versorgung, Sprit und Verschleiß rechnet, kommt man finanziell doch fast auf den gleichen Nenner.


Sylvester mal andersGut getarntSilvester verbringen wir noch schön gemütlich auf einem Campingplatz nahe Puerto Natales. Feuerwerk bleibt aus, da in Chile nur öffentliche Feuerwerke erlaubt sind. Macht uns aber gar nichts. Mit einem netten Ehepaar aus Hamburg, die mit ihren zwei Kinder ein halbes Jahr um die Welt reisen und einem Hupkonzert der anderen chilenischen Camper rutschen wir ganz geschmeidig ins Jahr 2017.

Blick vom Hafen in Puerto Natales
Blick von der Faehre in die Fjordlandschaft 3Blick von der Faehre in die FjordlandschaftAm 2. Januar geht es dann aufs Schiff, unsere dreitägige Kreuzfahrt durch die Fjorde Chiles kann beginnen. Einen kleinen Dämpfer gibt es allerdings beim Einchecken. Für die Bikes müssen wir nochmal jeweils eine gehörige Summe extra zahlen. Sie sind fast so teuer wie die Autos. Dass man ja im Prinzip vier Motorräder nebeneinander stellen könnte und dann nur den PlatzBlick von der Faehre in die Fjordlandschaft 2Geht manchmal ganz schoen eng zu beansprucht, den ein Auto benötigt, davon wollen die Chilenen nichts wissen! Nunja, trotz einiger Handlungsversuche von Josh lässt sich das nicht ändern. Erst abends können wir mit den Motorrädern auf die Fähre fahren und schlendern daher vorher noch gemütlich durch die Stadt. AnJoana auf der Bruecke einer Straßenecke sehen wir dann plötzlich das Motorrad "Elephant" unserer australischen Freunde Mike und Johanna, die wir in Ushuaia  getroffen haben. Wir bleiben stehen, betrachten Elephant und überlegen wo die beiden stecken könnten. Es dauert keine zwei Minuten, da kommt Mike aus dem gegenüberliegenden Café, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. LachendPinguine von der Faehre begrüßen wir uns und auf seine Frage, wohin wir nun wollen, erklären wir, dass wir mit dem Schiff nach Puerto Montt fahren. "Nun, da sind wir auf demselben Schiff." sagt er. So schnell sieht man sich wieder! Abends können wir dann mit den Bikes auf die Fähre. Insgesamt sind es bestimmt zehn Motorräder und wir verstehen uns gleich mit allen Bikern blendend. Am nächsten Morgen startet die Navimag Fähre und wir haben die schönen Fjord- und Berglandschaften Chiles vor uns. Pinguine, Albatrosse und Seelöwen begleiten uns bei den Engstellen, die das Schiff teilweise bewältigen muss. Wir halten so manches Mal ganz schön die Luft an. Aber der Kapitän hat alles unter Kontrolle, und auch der Rest der Crew ist super freundlich. Zwei mal pro Tag gibt es kleine Vorträge über die Landschaft und die Attraktionen bis nach Puerto Montt und abends werden die Fahrgäste mit Spielen wie  Bingo belustigt. Für uns zwei gibts eine Vierbett-Kabine, da das Schiff bei weitem nicht ausgebucht ist.

Geht manchmal ganz schoen eng zu2
Mit drei sehr leckeren Mahlzeiten ist auch fürs leibliche Wohl gesorgt, worüber sich besonders Josh sehr freut. Wir widmen uns dem Schreibkram, lesen viel, haben eine schöne Zeit mit Mike und Johanna und spielen so einige Kartenspiele mit den anderen Bikern. Als wir dann aber aufs offene Meer, den Pazifik, hinausfahren, hört der Spaß für mich auf. Bis zu vier Meter hoch sind die Wellen, und unsere kleine Navimag tanzt hin und her wie ein Tanzmariechen. Mein Bett in unserer Kabine wird an dem Tag mein bester Freund, denn das ist der einzige Ort, an dem mir nicht schlecht wird. Über mir in der Cafeteria tut es die Schläge, den Weihnachtsbaum haut es Der hat es hinter sichAufraeumen nach dem Sturmquer durch den Raum, die Kugeln kullern in jede Ecke, und die Saftmaschine donnert mit einem lauten Knall zu Boden, verteilt ihren klebrigen Saft überall und lässt die Crew mit Schrubbern den von links nach rechts schwappenden Saftlaachen hinterher hechten. Josh hat seinen Spaß an allem und spielt mit den Jungs ganz oben im Pub des Schiffes Karten. Natürlich da wo der Kick am größten ist! Plötzlich rutschen sie alle mitsamt Stühlen und dem Tisch quer auf die andere Seite und das mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, drei massive Holzstühle gehen zu Bruch und Josh kann gerade noch so einem direkt auf ihn zu rutschenden Stuhl ausweichen, bevor dieser mit einem Krachen in die Wand einschlägt. Kreuzfahrt mal anders! Ich verlasse nur zum Abendessen mein Bett und bin doch sehr froh, dass die Spagetti drinbleiben, wenn ich mir so die Geräusche anhöre, die immer mal wieder aus dem Bad nebenan zu hören sind.

Panorama von der Faehre
Am nächsten Morgen hat sich der Pazifik wieder beruhigt und wir laufen die darauf folgende Nacht in den Hafen von Puerto Montt ein. In den Fjorden vor der Insel Chiloe gibt es außer den riesigen Lachsfarmen nicht viel zu sehen. Die Flora und Fauna leidet sehr unter der ausartenden Fischindustrie. Die großen Tiere halten sich fern von den verschmutzten Gewässern. Alles in allem war die Schifffahrt doch eine bereichernde und tolle Erfahrung mit vielen neuen Begegnungen. Nach dem Tauschen der Adressen und einem Abschlussbild mit all Gruppenbild aller Biker auf der Faehreunseren neugewonnen Freunden setzen wir uns auf die Bikes und fahren vom Schiff. Drei Tage ohne Motorrad, da juckt es wieder in den Fingern! Voller Motivation und Vorfreude fahren wir Richtung Norden, war es doch im Süden mit der Kälte und dem Wind nicht immer einfach. Weil ich dort manchmal an meine Grenzen gestoßen bin, freue ich mich jetzt besonders auf die vor uns liegende Vulkanlandschaft in der Mitte Chiles und auf das nun wieder gemütlichere Fahren auf dem Bike!

Nur das Panorama macht die KurveTraumhafte Lichtspiele