Santiago De Chile

20c Ueber den Anden

 

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11b Flughafenvorplatz19a Schwer bepackt aber gluecklich das alles angekommen

Nach 15 Stunden Flug von Frankfurt über Madrid nach Santiago de Chile laufen wir am frühen Morgen über die Brücke in den Flughafen. Zu unserer Begrüßung streiken die Damen und Herren vom Zoll. Gleichzeitig mit vier anderen Fliegern gelandet, erwartet uns eine mehrere hundert Meter lange Schlange. In der schlecht belüfteten 01aJoana beim Spielen in einem der vielen Stadtparks02Auf der Bank im Park. Wie immer hier super WetterHalle gibt es keinen Tropfen Wasser. Das mit Spanngurten zusammen gezurrte Gepäck übersteigt die 20 Kilo. Das Warten wird unangenehm. Wir gehen nach fünf anstrengenden Minuten an der Schlange vorbei, Ich zeige dem Zöllner meinen Insulinpen und mieme den Verdurstenden und wir sind nach weiteren zwei Minuten draußen.10b Netter Garten im benachbarten Hostel04eIn einem der schoenen Kaffees in Bellavista Vom grünen, sonnigen Vorplatz des Flughafens kann man die schneebedeckten Gipfel der Anden über den Dächern Santiagos erblicken. Die Pässe sind gestempelt, das Gepäck ist vollständig, wir sind drin. Die Reise kann beginnen.

 

03dGraffitis Santiago schmuecken Waende ueber mehrere Etagen und Haeuser

03aGraffitis Santiago schmuecken Waende ueber mehrere Etagen und Haeuser05Graffiti in Bellavista. Das ganze Viertel ist Kunstvoll verziertAber was jetzt? Was machen wir als erstes, wo gehen wir hin? Schließlich haben wir weder ein Hostel noch einen Campingplatz vorgebucht. Vom Flughafen aus fahren Stadtbusse ins Zentrum von Santiago. Wir schnappen unser Gepäck, steigen in einen der Busse und sprechen den Fahrer zuversichtlich auf Englisch an. Dieser07Fantasie Graffiti allerdings schaut uns nur mit großen Augen an. Also lösen wir mit Händen und Füßen unsere Tickets und merken, dass die Sprachbarriere doch größer als gedacht werden könnte. In Gedanken vertieft hören wir plötzlich von hinten "Na, wisst ihr noch nicht wo ihr hin wollt?". Karl aus Österreich hat unsere Situation gleich durchschaut und bietet03fGraffitis Santiago schmuecken Waende ueber mehrere Etagen und Haeuser freundlich seine Hife an. Er könne uns mit in sein Hostel nehmen, in dem wir dann erst einmal unterkommen könnten. Dieses Angebot nehmen wir gerne an und folgen Karl bis zum Landay Hostel im Zentrum von Santiago. Hier haben die netten Jungs vom Empfang ein schönes Zimmer für uns. Ein Sechs-Bett-Zimmer mit Bad auf dem Flur. Schön sauber und völlig ausreichend. Das Frühstück ist inklusive.

 

08Obdachlosenunterkunft mitten in der Innenstadt Santiagos16a Irgendein RegierungsgebäudeGleich am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg in die Stadt, um zwei RUT-Nummern zu besorgen. Diese Registrierungsnummer wird in Chile benötigt, um ein Fahrzeug zu kaufen und zuzulassen. Voller Tatendrang am zwei Kilometer entfernten Parlament ankommend, sehen wir, dass hier schon wieder alle am Streiken sind. Ein Mitarbeiter gibt uns einen kleinen Zettel mit einer weiteren Adresse, ungefähr anderthalb Kilometer entfernt. Der Fußmarsch geht weiter bis in die "Santa Rosa", auch hier wird gestreikt. Mehr als "Lunes", das spanische Wort für Montag können wir zwischen all der Musik und den Trillerpfeifen der Streikenden nicht verstehen. Da sind wir machtlos und machen uns erstmal ein schönes Wochenende! Wir schlendern so durch die Straßen, als wir nahe unserer Unterkunft an einem kleinen Hauseingang vorbeikommen, in dem viele Kleinigkeiten zum Essen angeboten werden: Brot, Eier, 09b Edmundo bei der Arbeit in seinem kleinen StraenstaendchenTee, Nüsse etc.. Schnell kommen wir mit dem Inhaber des kleinen Standes, Edmundo, ins Gespräch. Er hat einige Jahre in den USA gelebt und spricht daher gut Englisch. Wir unterhalten uns über verschiedene Gepflogenheiten in Chile und in Deutschland und beschließen, nach dieser freundlichen Bekanntschaft gleich am nächsten Morgen noch einmal dort vorbei zu schauen. Edmundo empfiehlt für den Abend noch das Lokal seiner Schwester, welches wir direkt testen. Es ist vorzüglich, günstig und sehr freundlich bewirtet.Morgens schauen wir wie versprochen bei Edmundo vorbei. Er freut sich riesig und hat noch ein paar Tipps für Santiago Neulinge auf Lager.

Nach dem vorzüglichen Straßenfrühstück machen wir uns auf den Weg zu Yamaha. Wir erfahren nach einem kurzen Gespräch, dass es die Yamaha AG 200, welche wir eigentlich kaufen wollten, nicht mehr geliefert, angeblich nicht mal mehr produziert wird. Die Alternative dazu, die XT 125, wäre erst im Dezember wieder lieferbar. Etwas niedergeschlagen fahren wir nun zur Konkurrenz, mit der U-Bahn zum Honda-Händler. Auch hier spricht niemand Englisch, aber irgendwie können wir uns doch mit dem Chef verständigen. Unser Augenmerk fällt auf eine Honda XR 125 L. Der Chef greift, als es ins Detail geht und die Sprachbarriere zu groß wird, zum Telefon und ruft eine Kollegin an. Josefa kann sehr gut Englisch und wir verabreden, gleich an ihrem nächsten Arbeitstag nochmal dort vorbei zu kommen. Um das Wochenende ausklingen zu lassen und dem Wahnsinn in der Stadt ein bisschen zu entkommen, wandern wir auf den Hausberg Santiagos, den Cerro San Cristobal. Oben angekommen, erwartet uns ein atemberaubender Blick, der uns die ganze Größe dieser 8 Millionen Stadt vor dem Kontrast der unüberwindbaren Andengipfel bewusst macht.

25b Schoene Begruenung ueberall in Providencia dem Bueroviertel der Stadt25e Schoene Begruenung ueberall in Providencia dem Bueroviertel der StadtAm Montag wird zeitig aufgestanden. Nach der 6 Uhr-Banane und einem kleinen Kochsalzpfeifchen für die Lunge geht es im Laufschritt durch die noch schlafende Stadt zum nächsten Fitnesspark. Mitten im Grünstreifen zwischen zwei Straßen stehen hier einige metallene Gestänge, an denen

man mit ein bisschen Geschick fast alle06Stadtpark in der naehe des Hostels immer gut zum trainieren Muskelgruppen abdecken kann. Nach dem entspannenden Rückweg erwartet uns das zünftige Frühstück mit Schmierkäse und Leberwurst. Es ist kurz vor neun als sich die Pforten des Büros für innere Angelegenheiten (Sii) in der Santa Rosa öffnen und nun tatsächlich gearbeitet wird. Vom Haupteingang werden wir gleich an den Nebeneingang eine Straße weiter verwiesen. Die wenig nette Empfangsdame drückt uns auf unser Stichwort "RUT" gleich ein Formular in die Hand und erzählt uns was von Notar. Ungläubig verlassen wir das Amt und begeben uns erst einmal zu Honda im Stadtteil Providencia.

 

23e In der Mitte unsere Retterin Josefa vor ihrem Arbeitsplatz. Puntomoto21a Der erste Ausritt ueberzeugt21b Der erste Ausritt ueberzeugt

Es empfängt uns eine sehr nette, Dame die im weiteren Verlauf der Reise von entscheidender Bedeutung sein soll. Zuerst stellt sie uns die verschiedenen Maschinen vor, die bei unserem Budget und unseren Anforderungen infrage kommen ,vor. Eine Honda XR 125L, wie wir sie bevorzugen würden, ist nun dem neueren Modell XR 150L gewichen. Gebrauchtkauf, das haben wir schon im Internet festgestellt, lohnt sich in Chile nicht. Die Maschinen sind gebraucht überteuert und meist wurden die Wartungsintervalle nicht eingehalten oder es ist nie auch nur ein Werkstattbesuch erfolgt.

22a Der Herr und seine Ladys21c Der erste Ausritt berzeugtSeit Anfang diesen Jahres hat Honda auch noch einen weiteren Motor in Produktion. Einen 190ccm Motor mit automatischer Einspritzung, luftgekühlt und auch per Kick zum Leben zu erwecken. Diese Woche wird der in der Cb 190 erprobte Motor erstmals in einer Endurovariante, der XR 190L zum Verkauf ausgeliefert. Da der Einspritzer in den Höhen der Anden und speziell der Atacarma Wüste die deutlich zuverlässigere Alternative zum bewährten Vergaser ist, entscheiden wir uns bis zum Auslieferungsstart morgen zu warten und uns das Bike vor Ort anzuschauen. Zu unserem nächsten Problem erklärt uns Josefa nach einigen Telefonaten mit verschieden Ämtern, wir bräuchten nach einhelliger Aussage des Amtes nur unseren Reisepass und unseren Einreisestempel. Sie bietet uns an, am nächsten Morgen vor der Arbeit mit uns zu kommen, um die Nummer zu besorgen.

27b Hier gibt es alles was man essen kann27c Hier gibt es alles was man essen kann27d Hier gibt es alles was man essen kannVorher aber möchten wir es noch einmal auf eigene Faust versuchen. Wir gehen mit neuem Eifer und neuen Informationen zu der begeisterten Empfangsdame des Amtes in der Santa Rosa. Als sie versucht, uns wieder die falschen Formulare in die Hand zu drücken, lehnen wir ab, was sie sehr verärgert. Sie schickt uns zu einer 28a Das Gemuese und auch das Obst von aussen gigantisch schmeckt auch soAußenstelle des Sii in der Nähe unseres30a Der Gran Mercado Hostels. Dort schaut man nach einigem Warten unsere Reisepässe an und schickt uns zur Migrationsbehörde. Wir sollen erstmal ein Dauervisum lösen, vorher könne man unser Anliegen nicht bearbeiten. Angekommen an der Migrationbehörde staut es sich schon auf dem Vorplatz. Wir haben das Gefühl ganz Lateinamerika und halb Afrika möchte ein Dauervisum. Wir kommen nicht einmal ins Gebäude, es gibt keine Infotafeln außer auf Spanisch und das aufwendige System, welches darauf beschrieben ist, versteht kein Schwein. Frustriert und verärgert über die Bürokratie gehen wir schlafen.

Wie verabredet stehen wir am Folgetag in aller Frühe vor einem weiteren Büro des Amtes für Inneres, Sii. Es scheint die Hauptfiliale zu sein, in Suecia 211 im Stadtteil Providencia. Die Pforte ist noch geschlossen und wir gehen einen Cafe trinken. Als wir wiederkommen, steht bereits eine lange Schlange vor der immer noch verschlossenen Tür. Nach einigem Warten werden wir schließlich eingelassen. Kurz darauf gehen wir unverrichteter Dinge wieder hinaus. Wir benötigen eine notariell beglaubigte Kopie unseres Reisepasses, zwei vollständig ausgefüllte Seiten eines rein auf spanisch geschriebenen Formulars mit allerlei Angaben zur Person und, festhalten, eine notariell beglaubigte Bürgschaft eines chilenischen Repräsentanten. Ende. Selbstbewusst und mit einem Grinsen im Gesicht schreitet Josefa voran und führt uns zu einem Notar an der nächsten Straßenecke. Sie lässt unsere Pässe kopieren, füllt für uns die Formulare aus und übernimmt kurzerhand die Bürgschaft für uns beide. Wir sind sprachlos, als wir tatsächlich zwei Stunden später unsere RUT Nummer in den Händen halten.

Mit unserem Eintreffen bei Honda, lange nach Josefas eigentlichem Arbeitsbeginn ,sind auch schon die neuen XRs vor Ort. Probesitzen gefällt. Niedrig, angenehme Sitzpositzion, leicht, gut ausbalanciert, Hebel alle sehr leichtgängig, alles sauber verarbeitet und verschraubt, eine durchdachte Konstruktion. Wir kaufen das erste Bike zum Kampfpreis von 2800€ inklusive Handprotektoren, der ersten beiden Inspektionen bei Honda und einem 24 Stunden, 365 Tage geltenden Pannenservice überall wo es Honda gibt. Nach der ersten Fahrt zu zweit auf den 15 Pferdchen durch den mörderischen Stadtverkehr Santiagos ist die Sache klar. Eine zweite muss her.

15a Der erste Eiscafe in der Fußgängerzone10106111010609Nach diesem Erfolg schlendern wir auf der Suche nach etwas zu Essen in diesem, eigentlich nicht für unser Reisebudget gemachten, Viertel umher. Ein kleines aber gut aussehendes Cafe mit günstigem Mittagsmenü zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir setzen uns und bestellen. Als der Wirt unsere Unsicherheit im Umgang mit dem Spanischen bemerkt, fragt er vorsichtig, ob wir auch Deutsch sprechen. Auf unsere Antwort folgt ein freundliches "Na, dann lasst‘s uns doch Deutsch sprechen". Spätestens jetzt fällt uns die große Kreidemalerei auf der Wandtafel des Cafes auf: "I am from Austria" steht dort mit Liebe verziert,und ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt, an der Wand. Die einmalige Küche Viktors, jenes netten österreichischen Chefkochs, wird während unserer Zeit in Santiago ungeschlagen bleiben. Wir kommen am selben Abend gleich wieder vorbei und kosten nach dem mittäglichen Rinderbraten vom selbstgemachten Eis des Gastgebers, der den Abend auf seine Kappe gehen lässt. Wir verabschieden uns mit einem "Bis morgen" was sich nun jeden Tag wiederholen soll. In dem Cafe lernen wir mit Viktors Hilfe mehrere nette Motorradfahrer kennen, erfahren von schönen Straßen und Campingplätzen in ganz Chile, werden mit vielen nötigen Infos zur weiteren Reise versorgt und natürlich immer göttlich bekocht. Die Küche scheint sich täglich zu steigern, was nur durch die Hilfsbereitschaft des Chefs übertroffen wird.

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 Am Folgetag ist genügend Geld auf die Visakarte geladen und wir gönnen uns die zweite XR. Für ein kleines Entgeld wird der gesamte Papierkram von nun an von Honda erledigt. Leider aber erst am kommenden Mittwoch, da bis dahin streikbedingt niemand arbeitet auf dem gottverdammten Amt. Glücklicherweise darf man in Chile mit einem neuen Bike fünf Tage ohne Zulassung und Nummernschild fahren. Bleibt nur noch die Problematik, dass wir, um nicht in den Höllenverkehr der allwochenendlichen Stadtflucht zu kommen, sehr früh losfahren müssen. Honda öffnet allerdings erst gegen zehn Uhr und die neuen Bikes vor dem Hostel auf der Straße zu parken, wäre etwas zu riskant. Gut, dass Viktor noch etwas Platz in einer Ecke seines Cafes schaffen kann und wir die Bikes dort sicher parken können. Nach einem ausführlichen Frühstück schieben wir die Ladys aus dem Cafe in die Morgensonne. Voll bepackt und vollgetankt brechen wir auf zur Feuertaufe der beiden Bikes.

 

23c In der Mitte unsere Retterin Josefa vor ihrem Arbeitsplatz. Puntomoto

JoshJoanaRuecken